Wer glauben sollte, dass die von Harald Ehlert geschaffene Masariti-Affäre mit seinem Rückzug als Geschäftsführer der Treberhilfe erledigt sei, der irrt gewaltig. Die Konstruktion bei dem Geflecht aus eingetragenem Verein und gemeinnütziger GmbH sichert Ehlert die alles entscheidende Schlüsselfunktion. Er bestimmt nach wie vor mit seinen beiden Vorstandsgetreuen, dem Unternehmensberater Christian Jäger und dem „CDU-Mann“ aus Steglitz-Zehlendorf Carsten Lobbedey, was in der Treberhilfe läuft. Somit ist es völlig egal, wer unter diesem Triumvirat Geschäftsführer ist.
Selbst wenn sich Harald Ehlert gänzlich zurückziehen und seine Geschäftsanteile auf den e.V. übertragen wollte, stehen die Banken im Wege, die offenbar für verschiedene Projekte Kredite gegeben haben, für die Ehlert persönlich haftet. Das Konstrukt ist nahezu genial. Es mag sein, dass die 97 Unterschriften der Treberhilfemitarbeiter unter einem Offenen Brief ihn zum Rücktritt veranlasst haben, aber was nützt es. „Wir sind nicht bereit, die weitere Diskreditierung unserer Arbeit zuzulassen und haben das Vertrauen darin verloren, dass Sie die Geschäfte im Sinne des Trägers, der Mitarbeiter/innen und Klienten weiterführen können. Unser Anliegen ist es, die fachlich gute, professionelle Arbeit der Treberhilfe fortzusetzen und aufrecht zu erhalten. Mit diesem Schreiben distanzieren wir uns in aller Deutlichkeit von Ihnen als Geschäftsführer und fordern Sie auf, ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niederzulegen“, heißt es in dem Schreiben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Wie sehr das Triumvirat gewillt ist, seine Macht nicht aufzugeben, zeigt ein Beitrag im InfoRadio, in dem Lobbedey zitiert wird. Er gehe davon aus, dass Harald Ehlert durch die eingeleiteten Prüfungen voll rehabilitiert werde. Das kann sogar sein. Herr Lobbedey hat aber auch nicht be-griffen, dass es darum schon gar nicht mehr geht. Und wenn Lobbedey meint, dass ohne Harald Ehlert die Treberhilfe nicht auskomme, dann muss man sich wirklich fragen, was das für Leute sind. Jeder ist zu ersetzen, auch der Big Boss, der uns seit dem 18. Februar tagtäglich neue Negativschlagzeilen beschert und die Berliner Sozialbranche in Verruf gebracht hat. So wird Lobbedey im InfoRadio zitiert, dass das Gehalt von Harald Ehlert immer geprüft und nicht beanstandet wurde. Wirklich toll. Nein, es seinen nicht die 35.000 Euro Monatsgehalt für Ehlert, die jetzt genannt würden, sondern weniger. Er selbst, Lobbedey, habe die genaue Summe auch nicht vorher gewusst. Was ist das für ein Verein? Hat Ehlert den Geschäftsführervertrag mit sich selbst abgeschlossen, links und rechts dieselbe Unterschrift?
Ich muss wirklich sagen, die Schnauze von diesem Blödsinn gestrichen voll zu haben. Sollen doch Jäger und Lobbedey oder am besten Ehlert selbst endlich preisgeben, wie hoch er sich monatlich aus den steuerfinanzierten Einnahmen der Treberhilfe bedient hat. Gab es vielleicht noch ein volles Monatsgehalt als Urlaubsgeld oben drauf, und wie sieht es mit dem Weihnachtsgeld aus? Was hat er als Gesellschafter noch so nebenbei bekommen? Das muss doch endlich mal auf den Tisch.
Die Einleitung eines Strafverfahrens wegen „Veruntreuung öffentlicher Mittel“ durch die Senatssozialverwaltung ist ein richtiger Schritt. Für mich gibt es nur eine Lösung des Problems. Die bisherigen Aufgaben der gGmbH einschließlich aller Klienten und Mitarbeiter müssen in eine neue Gesellschaft überführt werden. Der Treberhilfe Verein und die Treberhilfe gGmbH müssen aufgelöst werden. Sie haben keine Heimat mehr, nicht unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und nicht unter dem der Diakonie und erst recht nicht unter dem der Sozialverwaltung und der Bezirke.
Ich fürchte nur, so einfach wird das nicht gehen. Harald Ehlert hat bisher nicht gezeigt, dass er an einer Rettung des Unternehmens ohne ihn interessiert ist. Und ohne ihn meine ich absolut. Es liegt jetzt am Gesetzgeber, ein für allemal zu verhindern, dass sich eine Konstruktion ala Ehlert wiederholt.
Ed Koch
|