Leserbrief
geschrieben von: Redaktion am 11.03.2007, 08:52 Uhr
paperpress421
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Leserbrief zum Beitrag "Schluss mit der Sozialromantik" - Februar 2007, Anmerkungen dazu und ein Bericht von der Sitzung des Jugendhilfeausschusses zum Thema Gewaltvorfall an der Georg-Büchner-Oberschule sowie ein Artikel aus der Berliner Woche zu einem myteriösen Vorfall an der Büchner-Schule.
Neue Töne aus dem Jugendpolitischen Pressedienst „paperpress“
Law and Order als Antwort auf zunehmende Jugendgewalt?
Ich traue meinen Augen nicht: In dem sonst für seine qualifizierten Beiträge bekannten Pressedienst sprang mir in der Februar-Ausgabe sofort die Überschrift „Schluss mit der Sozialromantik“ ins Auge.
Der langjährig in der bezirklichen Jugend- und Bildungsarbeit tätige Ed Koch fordert doch tatsächlich die Herabsetzung des Strafmündig-keitsalters von 14 auf 12 Jahre und beschwert sich über „Ausländer-kinder“, die in Parallelgesellschaften „ohne jegliche Öffnung nach außen“ leben. Auch Lernverweigerer müssten mit Konsequenzen rechnen, fordert Koch. So richtig kiebig wird er am Ende seines Pamphlets: „Die vielen Einwanderervereine, die gut(?) subventioniert werden, sollten endlich auch ihren Beitrag leisten. Es helfe keine Folklore mehr, Aktivitäten seien gefragt…“
Was hat den Ed geritten?
Anlass ist ein tatsächlich schlimmer Vorfall vom 19.Januar dieses Jahres. Eine Gruppe Jugendlicher (mit Migrationshintergrund) über-fiel eine Schulfeier in Lichtenrade und schlug einen Vater mit schwe-ren Eisenstangen krankenhausreif. Unstrittig ist: Diese abscheuliche Tat ist zu verurteilen und die Täter sind einer gerechten Strafe zuzu-führen.
Was sind aber die Ursachen, dass solche Taten immer mehr zuneh-men? Ed Koch spricht, - im übrigen wie auch das Bezirksamt Tem-pelhof-Schöneberg in seinem letzten „Integrationsbericht“, von zu-nehmend entstehenden „Parallelgesellschaften“, in denen sich Mi-granten bewusst von der Aufnahmegesellschaft abkapseln und eine ablehnende Haltung gegenüber demokratischen Werten einnehmen würden. Dagegen müsse hart, - auch mit Zwang-, durchgegriffen werden.
Apropos „Parallelgesellschaft“, wie ist das eigentlich mit solchen „Vorbildern“ der Aufnahmegesellschaft, wie Graf Lambsdorf, dem Deutsche Bank Manager Ackermann oder noch besser, dem Vater „unserer“ Arbeitsreform, Herrn Hartz? Zugegeben, keinem dieser „Figuren“ sind Gewalttaten nachzuweisen. Aber mit dem bürgerli-chen Gesetz nehmen sie es nicht so genau. Und dafür werden sie im Gegensatz zu vielen anderen kaum belangt. Die Namensliste solcher der „Allgemeinheit verpflichteten“ und „gesetzestreuen Vorbilder“ ließe sich mühelos fortsetzen. Und wenn Politiker sich, wie der nie-dersächsische Ministerpräsident Wulff, für einen Mindestlohn deut-lich unter dem Existenzminimum ausspricht - er billigt Niedrigver-dienern etwas mehr als 3,60€ / die Stunde zu-, wird die ganze Aso-zialität der politischen Klasse, deutlich. Immer mehr Menschen wer-den unter das Existenzminimum gedrückt, vielen Jugendlichen, dar-unter eine große Anzahl von MigrantInnen, trotz Schulabschlüsse eine qualifizierte Ausbildung verweigert. Die Forderung nach einer Ausbildungsabgabe für die Betriebe, die nicht ausbilden, aber es könnten, wird seit Jahren unter Verweis auf „Absichtserklärungen der Wirtschaft“ auf den Skt. Nimmerleinstag verschoben. Mit dieser Art von „Wertevermittlung“ setzt sich Ed Koch nicht auseinander.
Er behauptet, dass die MigrantInnenvereine „gut subventioniert wür-den“. In weiten Teilen des Bezirkes jedoch, so in Tempelhof, ist eine klare Unterversorgung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund hinsichtlich kultureller und sozial-orientierender Angebote festzu-stellen. Da darf man sich nicht, wie im Integrationsbericht des Be-zirksamtes geschehen, darüber beschweren, wenn, Stadtteile wie Marienfelde oder Lichtenrade zu sozialen Brennpunkten werden.
Carsten Schulz,
Bezirksvorsitzender der Linkspartei.PDS Tempelhof-Schöneberg
Anmerkungen: „Was hat den Ed geritten?“ Lieber Carsten Schulz, ich habe von Jugendlichen, denen niemand die erforderlichen Gren-zen, die einzuhalten sind, damit eine tolerante und friedliche Gesell-schaft funktioniert, ebenso die Schnauze voll, wie von Politikern, die nach jedem dieser Vorfälle endlos diskutieren, letztlich aber alles nur zerreden. Ich bin heftig dafür angegiftet worden, dass ich die Eltern in Verantwortung nehmen will. Das halte ich nach wie vor für einen der Schlüssel des Problems. Die Eltern kümmern sich zu wenig um ihre Kinder. Es kann ihnen, ob mit oder ohne Einwanderungshinter-grund, nicht egal sein, wenn ihre Sprösslinge fernab jeder Wertevorstellung andere Menschen fast zu Tode prügeln. Natürlich muss der Staat eingreifen, wenn eine Familie alleine nicht ihre Pro-bleme lösen kann, hat sie es aber überhaupt versucht? Wir leben – zum Glück – in einer Gesellschaft, in der es auf Eigenverantwortung und Eigeninitiative ankommt und sich nicht der Staat von Geburt bis zum Tode in die Belange des Menschen einmischt. Das gab es lange genug in diesem Lande.
Was tun wir hier geborenen Deutschen, um die Neuen Deutschen, wie das Mitglied der Islamkonferenz, der Tempelhof-Schöneberger SPD Kommunalpolitiker Badr Mohammed die Einwandererfamilien so zutreffend nennt, um sie zu integrieren? Sicherlich nicht genug. Gestattet sein darf aber auch die Frage, was die Einwanderer tun, um integriert zu werden. Ich habe sehr oft den Eindruck, dass sie gar nicht in dieser Gesellschaft ankommen wollen. Erschüttert hat mich eine Serie in der RBB Berliner Abendschau. Da wurde eine Woche lang jeden Tag ein Bericht über in Berlin lebende türkische Einwan-derer gezeigt. Da wurden Menschen vorgestellt, die seit 30 Jahren in Berlin leben und offenbar kein einziges Wort Deutsch sprechen. Sie sprachen in den Interviews Türkisch. Lediglich die Jüngeren konnten sich in der in diesem Lande üblichen Sprache verständigen. Gezeigt wurde auch, wie sie ihren Alltag verbringen: Mit ihrer Musik, mit ihren Fernsehprogrammen, mit ihren Zeitungen, in ihren Kneipen, mit ihren Leuten. Ein Stück Türkei in Berlin. Eine Touristenattraktion wie Chinatown in San Francisco oder New York. Ist das unter Inte-gration zu verstehen? Und was tun die in welcher Höhe auch immer subventionierten Einwanderervereine für die Integration ihrer Leute? Fragen über Fragen, aber kaum vernünftige Antworten.
Über Lambsdorf, Ackermann oder Hartz, brauchen wir uns wirklich nicht zu unterhalten. Es ist eine Schande, dass im Sprachgebrauch immer noch von Hartz IV die Rede ist, anstatt eine neutrale Bezeich-nung einzuführen. Aber über den Vorfall an der Lichtenrader Georg-Büchner-Schule sollten wir noch einmal sprechen. Der Jugendhilfe-ausschuss von Tempelhof-Schöneberg hat sich in seiner letzten Sit-zung damit befasst. Hier ein Bericht von Thomas Moser (BerLi-Press www.lichtenrade-berlin.de).
Jugendhilfeausschuss über den Gewaltvorfall an der Georg-Büchner-Oberschule
Am 28. Februar 2007 tagte der Jugendhilfeausschuss im Jugend- und Kulturhaus PallasT in Schöneberg. Ein Thema war der Gewaltvorfall an der Georg-Büchner-Oberschule. Bei diesem Vorfall Anfang des Jahres wurde ein Polizist, der privat bei einem Schulfest war, von schulfremden Jugendlichen brutal zusammengeschlagen, nach dem ihnen der Zutritt verwehrt wurde.
Bezirksstadträtin Angelika Schöttler (SPD) begrüßt den Jugend- und Diversionsbeauftragten der Polizeidirektion 4 Walter Hemminger. Die Direktion ist zuständig für die Bezirke Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg.
Hemminger berichtet besonders über die bei der Polizei bekannten Probleme im Ortsteil Lichtenrade: „So bedauerlich und brutal der Vorfall mit meinem Kollegen in Lichtenrade war, ist die Gewalt in Lichtenrade nur ein sehr singuläres Problem!“
Hemminger berichtet über einige Schwerpunkte z.B. vor dem S-Bahnhof Lichtenrade bzw. bei der Buswendeschleife, vor dem Café Obergfell am Ende des Lichtenrader Dammes, auf dem Spielplatz in der Kloster-Zinna-Straße oder in der John-Locke-Straße. „In der Regel geht es aber hier um Alkohol, Lärm und Vermüllung“. Hemminger berichtet für das Jahr 2006 von 34 Raubtaten.
Auch sind Waffen meistens nicht verwandt worden. In Lichtenrade leben drei Intensivtäter von insgesamt 72 Tätern in der gesamten Polizeidirektion. Damit liegt Lichtenrade im eher unauffälligen Be-reich. Bei der Polizei und Staatsanwaltschaft ist jeweils immer nur ein Mitarbeiter für einen Jugendlichen zuständig. Auf Nachfrage schätzt Hemminger, dass bei den Gewalttaten cirka 70 % Migranten beteiligt waren. Fast ausschließlich handelt es sich um männliche Jugendliche.
Die Polizei ist auch mit zivilen Beamten im präventiven Bereich tätig. Ausführlich berichtet der Präventionsbeauftragte über Anti-Gewalt-Trainings an Schulen. So fanden an der Georg-Büchner-Oberschule bereits neun Anti-Gewalt-Trainings und Beratungen in den Lehrerkonferenzen statt. In den Schulen wird der Schwerpunkt der Arbeit auf die Unterstützung der möglichen Opfer gelegt. Für die gewaltbereiten Jugendlichen werden sogenannte „Coolness-Trainings“ angeboten. Hemminger lobt die gute Zusammenarbeit zwischen den Schulen und der Polizei. Ausschussmitglied und Be-zirksverordnete Jutta Kaddatz (CDU) sprach die Mobilität der Ju-gendlichen an. So waren auch am Gewaltvorfall an der Georg-Büchner-Oberschule nur Jugendliche aus anderen Bezirken beteiligt. Der Bezirksverordnete Christian Zander (CDU) schlägt vor, dass zu einer der nächsten Ausschusssitzungen auch noch die Jugendge-richtshilfe eingeladen wird. Bezirksstadträtin Schöttler berichtet von präventiven Veranstaltungen in Jugendfreizeiteinrichtungen „Man kann jedoch nicht immer alle Jugendlichen erreichen!“
Walter Hemminger von der Polizei weiß von einer Aktion von Schü-lern der Schulen Georg-Bücher-Oberschule, Carl-Zeiss-Oberschule und Theodor-Haubach-Oberschule zu berichten, die ein Benefizkon-zert zugunsten der Familie des bei dem Vorfall verletzten Polizisten ausrichten wollen. Von einer Feindschaft der Schüler dieser drei Schulen, wie teilweise in der Presse berichtet wurde, kann so pau-schal nicht gesprochen werden!
Soweit der Bericht von Thomas Moser. Im Zusammenhang mit die-sem Vorfall an der Georg-Büchner-Schule gibt es offenbar noch einen weiteren, über den niemand sprechen will. Die Berliner Woche berichtet in ihrer Ausgabe vom 28. Februar 2007 unter der Über-schrift
Nichts geklaut, nur etwas hinterlassen
Lichtenrade. In der Georg-Büchner-Oberschule wurde eingebro-chen. Ein Vorfall, der weder im Polizeibericht erwähnt wurde noch in der BVV vergangene Woche Thema war. Ohne die Berli-ner Woche wäre es vermutlich immer noch keins.
Jedenfalls ist dieser Zeitung Ende letzter Woche eine Kopie eines brisanten Berichts der Lichtenrader Oberschule an das Bezirksamt zugespielt worden. Darin berichtet der stellvertretende Schulleiter von einem gewaltsamen Einbruch, der am Sonntag, 18. Februar, von einem Lehrer entdeckt wurde. Ein Fenster des Kunstraums 021 wurde mit Rahmen eingetreten; der verschlossene Raum wurde nicht verlas-sen. Es sind keine weiteren Beschädigungen zu erkennen; es wurde nichts entwendet", berichtet der Vizerektor den Verantwortlichen im Rathaus Schöneberg. Dafür wurde von den Tätern ..HURENSÖHNE" und ..GBO Opfers" sowie zweimal die Zahl ..42" auf die Schultafel geschrieben. Nichts geklaut, nur etwas hinterlassen. Ein Einbruch, der Rätsel aufgibt. Der die Anzeige aufnehmende Polizeibeamte soll der Schulleitung gegenüber spontan den Verdacht einer Verbindung zu dem Gewaltvorfall vor der Georg-Büchner-Oberschule am 19. Januar geäußert haben. Wie berichtet, war ein Polizeibeamter in Zivil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit einer Eisenstange brutal vor der Schule am Lichtenrader Damm zusammengeprügelt und lebensgefährlich verletzt worden. Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) bestätigte inzwischen die Echtheit des Schreibens und teilt auch die Einschätzung des Polizisten: „Ein Zusammenhang mit der Tat vom 19. Januar kann unter den seltsamen Umständen mit der Tafel nicht ausgeschlossen werden. Aber der Einbruch macht auch deutlich, dass der bislang unerfüllte Wunsch der Schule nach einem Zaun und Videoüberwachung berechtigt ist", so der Stadtrat. HDK
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