Geschäftsführergehälter
geschrieben von: Redaktion am 23.07.2010, 18:31 Uhr
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„Wie viel verdient der Geschäftsführer einer gemeinnützigen sozialen Organisation im PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Berlin?“ Nicht allein die Frage nach den Geschäftsführergehältern der gemeinnützigen Organisationen im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist zu stellen, sondern auch die im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg. Der Paritätische hat jetzt eine Studie vorgelegt, aus der Geschäftsführergehälter der Mitgliedsorganisationen hervorgehen. Die Diakonie sollte sich der Erhebung anschließen.
Ob die aktuelle Studie tatsächlich „Fakten liefert“, wie der Paritätische behauptet, ist eine andere Frage. Die Studie will „den Spekulationen der letzten Wochen Fakten entgegen setzen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RöverBrönner führte im Auftrag des PARITÄTISCHEN Berlin vom 1. bis zum 15. Juni eine Befragung der 650 Mitgliedsorganisationen zur Geschäftsführervergütung durch. Wie groß das Interesse der Mitglieder an Transparenz ist, wird daran deutlich, dass innerhalb dieser 14 Tage ein Rücklauf von 45 Prozent realisiert wurde! Es liegen 246 gültige Fragebögen vor sowie 50 Rückmeldungen von rein ehrenamtlich geführten Organisationen.“ Die Studie steht unter www.paritaet-berlin.de zum Download bereit. (Dem Newsletter ist sie angehängt).
Die Behauptung, dass die Beteiligung von 45 Prozent der Mitgliedsorganisationen an der Studie von „Interesse“ an „Transparenz“ zeugt, ist ein wenig überheblich. Außerdem widerspricht der Text in der Studie dem in der Pressemitteilung: „Der Fragebogen wurde an insgesamt 650 Empfänger versendet. Von diesen schickten 246 den Fragebogen beantwortet zurück. Insgesamt beträgt der Rücklauf an ausgefüllten Fragebögen damit rund 37,8 %. Aufgrund des kurzen Vorlaufes konnten keine Untersuchungen zur Repräsentativität der ausgewählten Zielgruppe vorgenommen werden. Trotz des erfreulich hohen Rücklaufes kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Erhebung für die Gesamtheit der gemeinnützigen Einrichtungen repräsentativ ist.“ Überzeugend wäre ein Rücklauf von 85 bis 90 Prozent der Mitglieder gewesen. Im Anschreiben zum Fragebogen bittet der Paritätische seine Mitglieder ausdrücklich: „Damit die Ergebnisse einer Befragung repräsentative Aussagen zulassen, wären wir sehr dankbar, wenn sich möglichst alle Mitgliedsorganisationen an der Befragung beteiligen würden.“ Diesen Wunsch erfüllten die Mitglieder ihrem Dachverband nicht, der dennoch angetan über den „erfreulich hohen Rücklauf“ ist. Und was heißt hier „kurzer Vorlauf“? Seit Monaten wird über das Gehalt von Harald Ehlert palavert, und immer wieder wird die Frage gestellt, was die anderen Geschäftsführer verdienen. Schon längst hätte diese Studie in Auftrag gegeben werden können. Obwohl die Studie offenbar ein Flop ist, wollen wir Ihnen dennoch die nicht repräsentativen Ergebnisse nicht vorenthalten:
„Auf 56.000 Euro brutto beläuft sich das durchschnittliche Jahresgehalt eines Geschäftsführers, der die sozialen Dienste einer gemeinnützigen Organisation im PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Berlin zu verantworten hat. Rechnet man die ehrenamtlich geführten Organisationen mit ein, sinkt dieser Wert auf 51.000 Euro“, heißt es in der Pressemitteilung des Paritätischen vom 23.7.2010.
Und weiter: „Über die Hälfte der Geschäftsführergehälter bewegt sich in der Spanne von 39.000 bis 69.000 Euro Brutto pro Jahr. Ein Viertel liegt darunter, ein Viertel darüber. Betrachtet man die Branchen, liegt das oberste Niveau der Geschäftsführervergütung bei den großen Pflegeanbietern. Mit 80.000 Euro brutto im Schnitt ist das immer noch weniger als ein Viertel des Ehlertschen Gehalts. Die niedrigsten Geschäftsführergehälter im Schnitt finden sich in der Jugendhilfe, bei den Stadtteilzentren und im Kulturbereich. 49.000 - 41.000 Euro.
Die Geschäftsführergehälter im Einzelnen variieren nach Umsatz. Über die Hälfte der beteiligten Organisationen (132) haben einen Jahresumsatz von weniger als 2 Millionen Umsatz. Bei 34 Organisationen liegen die Jahresumsätze bei 10 Millionen und mehr. Hier liegt der Schnitt bei 95.000 Euro brutto unter 20 Mio. Umsatz und bei 101.000 Euro über 20 Mio Umsatz pro Jahr. In dieser Umsatzkategorie liegen auch die vier ‚Ausreißer’ der gesamten Studie mit Jahressummen von 110.000 bis 187.000 Euro. Zur Erinnerung: Der Treberhilfechef erhielt bei einem Umsatz von 12,2 Millionen laut Medien ein Jahresgehalt von ca. 370.000 Euro (35.000 monatlich).“
Sollten die Geschäftsführergehälter bei den 62,2 Prozent der Mitglieder, die sich nicht an der Studie beteiligt haben, ähnlich sein, kann niemand etwas gegen diese Vergütungen sagen. Niemand hat übrigens behauptet, dass das Gehalt des ehemaligen Treberhilfe-Geschäftsführers angemessen sei. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Harald Ehlert für Bürgschaften in Millionenhöhe gerade zu stehen hat, ist die Summe, die in den Medien genannt wurde, nicht nachvollziehbar. Das heißt natürlich nicht, dass die Höhe unrechtmäßig ist.
In der Studie steht: „Weitere Verantwortung in Führungspositionen anderer Unternehmen übernehmen 30 männliche und 6 weibliche Geschäftsführer. Fünf von diesen sind in Aufsichtsräten tätig, 25 als Geschäftsführer einer weiteren Gesellschaft und weitere 5 als leitende Angestellte bzw. Prokuristen. In einem Fall liegt eine weitere selbständige Tätigkeit vor. Die überwiegende Mehrheit, d. h. 210 Geschäftsführer sind in keiner dieser Positionen in einem weiteren Unternehmen aktiv.“ So weit so gut. Aber aus der Studie geht nicht hervor, ob einzelne Geschäftsführer mehrere Gehälter in ihrem Trägerverbundes bekommen, beispielsweise von Tochtergesellschaften. Beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk, das zur Diakonie gehört, taucht ein gewisser Siegfried Dreusicke gleich an mehreren Stellen in den Organigrammen auf. Bezieht er ein Gesamtgehalt oder bekommt er auch von den Tochterunternehmen ein Gehalt?
In der Kritik an der Treberhilfe ging es aber nicht nur um das Geschäftsführergehalt, sondern auch um den seinerzeit fehlenden Aufsichts- und Betriebsrat. Beide Gremien hat die Treberhilfe inzwischen. Aber wie sieht es bei den Mitgliedern des Paritätischen und der Diakonie aus? Sozialsenatorin Carola Bluhm hat eine Bundesratsinitiative eingebracht, von der man bislang nichts mehr gehört hat. „Einblick in die Personalkosten der Anbieter“ will sie erhalten, und „Die tarifliche Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen soll begünstigt … werden.“ Wo sind die Fragebögen zu diesen Themen? Der Paritätische hat sich einen Punkt aus der öffentlichen Kritik herausgesucht und dafür andere, mindestens ebenso interessante, unberücksichtigt gelassen. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu beauftragen, um einige magere Zahlen zusammenzustellen, ist reine Geldverschwendung.
Ed Koch
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