Willkommen bei PaperPress
suchen  
Hauptmenü
· Home

· Beiträge
· Archiv
· Weiterempfehlen
· Suche

· Top-Liste
· Weblinks

wichtige Links
Gedenkstättenfahrten

Online
Es sind 6 Besucher und 0 Mitglieder online..

Anmeldung


Sprachen
Sprache auswählen:


  
Ehlert ist nicht zu stoppen
geschrieben von: Redaktion am 12.03.2010, 09:50 Uhr
paperpress 455 
Harald Ehlert ist erledigt. Er will es nur nicht wahrhaben. Und mit ihm die beiden Vorstände des e.V., dem Unternehmensberater Christian Jäger, „der Ehlert seit Gründung der Gesellschaft 2005 bei seinen Finanztricks geholfen hat“ (Zitat Berliner Zeitung vom 11.3.2010), und Carsten Lobbedey*, ein „CDU-Mann aus Zehlendorf“ (Zitat Berliner Zeitung vom 11.3.2010). Der e.V., Eigentümer der gGmbH, ist – wie gemeldet – gestern aus dem Paritätischen Wohlfahrtsverband ausgeschlossen worden.

*Firma: BERLIN MUSIC SCHOOL und BERLIN DJ SCHOOL - Mitgliedschaften und Funktionen: Stellv. Vorsitzender der MIT (Mittelstandsvereinigung) Steglitz/Zehlendorf - Mitglied des Vorstands des Ortsvereins-Mitte des Kreisverbandes der CDU Steglitz/Zehlendorf - Mitglied des Vorstands der Treberhilfe Berlin e.V. - Mitglied der Arbeitsgruppe „Populäre Musik“ Jugend musiziert (Quelle: www.mit.de)

Ehlert ist viel zu schlau, als dass er sich allein auf seine Genossen verlassen hätte. Zu dem Sommerfest auf der Werderschen Bismarckhöhe am 3. Juli 2009, waren nicht nur die heute in der BZ erwähnten SPD-Politiker eingeladen, sondern auch Vertreter anderer Parteien. Großes Glück hatten die Bezirksverordneten der CDU und Grünen in Tempelhof-Schöneberg. Weil sie nicht an einem Empfang der Treberhilfe im Rathaus Schöneberg anlässlich des Vertragsabschlusses zum Projekt Monumentenstraße teilnehmen wollten, lud Ehlert sie zum Sommerfest wieder aus. Somit entging ihnen der Shuttleservice vom Bahnhof Potsdam zur Bismarckhöhe, auf der der weltweit berühmteste Maserati aller Zeiten zu besichtigen war, und die vielen in der BZ von heute beschriebenen Köstlichkeiten wie Lachsfilets und Garnelen-Spieße. Als Amateur-Gourmet kann ich nur anmerken, dass ich auf vielen anderen aus Steuermitteln finanzierten Festen das gleiche hochwertige kulinarische Angebot genießen konnte. Ich habe am 3. Juli des letzten Jahres die Austern vermisst. Entgegen den Angaben in der BZ, fand das sehr beeindruckende, aber keineswegs „gigantische“ Feuerwerk nicht um Mitternacht, sondern bereits um 22.00 Uhr statt. Ja, so ist das, wenn man zu solchen Festen nicht eingeladen wird, dann bleiben nur „Augenzeugen“. Übrigens: um die Häme mal wieder herunterzuschrauben, ich war zwar beim Sommerfest, aber nicht eingeladen. Mich hatte jemand auf seinem für zwei Gäste vorgesehenen Ticket als Begleitperson mitgenommen. Es wird wohl das letzte Sommerfest dieser Kategorie der Treberhilfe gewesen sein.

Nachdem nun die Gesellschafter der Treberhilfe, also die drei am Anfang des Beitrages genannten Herren, dem noch vor wenigen Tagen von ihnen bestellten Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Dane – erwartungsgemäß – wieder abberufen haben, fragt man sich, wie der Amoklauf des angeschossenen Treberhilfe-Miteigentümers weitergeht. Man muss an der Stelle auch mal, ohne Ehlert in Schutz nehmen zu wollen, deutlich sagen: Auch für Ehlert gilt immer noch – auch wenn es schwer fällt – die Unschuldsvermutung. Er ist weder angeklagt und erst recht nicht verurteilt worden. Juristisch gesehen ist Harald Ehlert ein unbescholtener Bürger. Das Problem für Ehlert ist nur, dass ihm das nichts nutzt. Selbst wenn ein Monatsgehalt von 35.000 Euro – weder bestätigt noch dementiert – alle Vorstellungen einer Vergütung eines Geschäftsführers eines 12-Millionen-Umsatz-Unternehmens anstößig ist, so (scheint) dies kein Verbrechen zu sein. Es geht hier nur um eines, nämlich die moralische Komponente. Selbst wenn Ehlert mit allen Mitteln das verhindern will, was er selbst angekündigt hat, nämlich Transparenz in sein Unternehmen zu bringen, so mag man ihn jetzt einen Lügner nennen dürfen, anscheinend ist es aber sein gutes Recht, keine Auskunft zu geben.

Spätestens hier merkt man, dass am System etwas falsch ist. Die Kontrollen über gemeinnützige GmbHs und/oder eingetragene Vereine, die Eigentümer solcher Gesellschaften sind, sind unzureichend. Dass sich die frühere Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und ihre Nachfolgerin Carola Bluhm jetzt um Aufklärung bemühen, ist ehrenwert. Der Vorwurf kann ihnen und auch ihren Vorgängern aus verschiedenen Parteien nicht erspart bleiben, die Sozialunternehmen nicht in dem Maße kontrolliert zu haben, wie es erforderlich gewesen wäre. Um den Kernpunkt, nämlich dass eine Personalvertretung sicherstellt, dass tarifgerechte Gehälter bezahlt werden, hat sich der Senat und haben sich die Bezirke seit Jahren nicht gekümmert. Es galt nur ein Motto: Hauptsache billig! Wie die in Konkurrenz zueinander stehenden Träger das erreichen können, interessierte auf staatlicher Seite niemanden. Dass die CDU gestern im Abgeordnetenhaus eine Welle gemacht hat, ist ihr gutes Recht. „Berlin braucht endlich wieder eine verlässliche Sozialplanung- und –struktur“, forderte sie in einer Aktuellen Stunde. Das ist sicherlich eine berechtigte Forderung. Sie sollte aber nicht vergessen, dass unter ihrem Sozialsenator Ulf Fink (1981-1989) die Sozialunternehmensstruktur langsam zu blühen begann. Schon damals hätte man nicht darauf vertrauen sollen, dass es im Sozialbereich nur Gutmenschen gibt, sondern auch solche, die das System für sich ausnutzen.

Dazu, dass in allen Tageszeitungen – unwidersprochen – ein geschätztes Monatsgehalt von 35.000 Euro für Harald Ehlert angegeben wird, fällt einem wirklich nichts mehr ein. Das ist deutlich mehr als das, was die Bundeskanzlerin oder der US-Präsident erhält. Bei jedem Sozialunternehmen stehen die zu betreuenden Menschen im Vordergrund. Sie gut zu betreuen hängt vor allem von motivierten und anständig bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab. Ein Unternehmen zu führen, verlangt neben Kompetenz einen hohen Einsatz an Kraft und Zeit. Das soll ordentlich vergütet werden. Wenn das Durchschnittsgehalt von Geschäftsführern von Sozialunternehmen mit rund 10.000 Euro (immer brutto, versteht sich) angegeben wird, dann halte ich das schon für die Schmerzgrenze. Warum soll ein Geschäftsführer eines Sozialunternehmens mehr erhalten als beispielsweise ein Bezirksstadtrat? Das sind etwa 7.500 Euro monatlich. Ein Bezirksstadtrat, beispielsweise für Jugend, ist für rund 150 Millionen Euro im Jahr verantwortlich. Was sind dagegen die 12 Millionen, die die Treberhilfe umsetzt? Und während bei der Treberhilfe offenbar kaum eine wirksame Kontrolle stattfand, sieht sich ein Jugendstadtrat einer Fülle von Kontrollgremien ausgesetzt: Der Bezirksverordnetenversammlung, dem Jugendhilfeausschuss, dem Hauptausschuss, dem Rechnungsprüfungsausschuss und als Krönung dem Landesrechnungshof. Darf es noch etwas mehr sein?

Wie geht die Ehlertsche Seifenoper weiter? Filmreif ist sie schon allemal und eignet sich für eine vielteilige Fernsehserie. Warum hält Ehlert so verkniffen an der Treberhilfe fest? Längst noch nicht kennen wir alle Einzelheiten. Sich über Sommerfeste Gedanken zu machen, ist lächerlich. Es geht bei dem ganzen unwürdigen Schauspiel nur um eines, um viel Geld, unser Geld! Am Montag werden die Sozial- und Jugendstadträte schlauer sein, wenn sie bei Carola Bluhm zu Gast sind und erste Ergebnisse der Prüfung erfahren. Thomas Dane soll dem Vernehmen nach auch an der Sitzung teilnehmen.

Ed Koch

 
Login
 



 


Registrierung

verwandte Links
· mehr zu Ausgabe Nr. 455 März 2010
· Beiträge von Redaktion


meistgelesener Beitrag in Ausgabe Nr. 455 März 2010:
Vom Umgang mit dem Volkseigentum



Website powered by PostNuke ADODB database libraryPHP Language

Allgemeine Nutzungsbedingungen | Datenschutzhinweis | Credits
Diese WebSite wurde mit PostNuke erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erhältlich.
RSS-News-Syndikation über backend.php