Von Links hat die Jugend nichts zu erwarten
geschrieben von: Redaktion am 22.12.2009, 09:37 Uhr
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Vor allem, wenn sie in Mitte zu Hause ist. Die überall vorhandenen Haushaltslöcher werden gern mit Mitteln aus jenen Bereichen gestopft, die so genannte Kannleistungen des Staates sind. Dazu gehört vor allem die präventive Kinder- und Jugendarbeit. Ein Bezirk kann Jugendfreizeiteinrichtungen betreiben, er kann es aber auch sein lassen. In Mitte lässt man es sein. Dort scheint derzeit alles den Bach runter zu gehen.
Jens Peter Heuer, der von der SED über die PDS bis zur Linkspartei alle Wechsel mitgemacht hat, war von 2001 bis 2008 Jugendstadtrat in Mitte, also seit der Fusion der Bezirke Mitte, Tiergarten und Wedding zum neuen Mitte-Bezirk. Eine besondere Konstellation in Mitte ist, dass zum Ressort des Jugendstadtrates auch Finanzen gehört. Das hat dem Jugendbereich offensichtlich nichts genutzt. Im Januar 2008 wurde Heuer Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung. Sein Nachfolger Rainer Maria Fritsch, ebenfalls Linkspartei, hielt es auf dem Posten des Jugendstadtrates in Mitte nur vom 24.1.2008 bis 17.11.2009 aus. Dann wurde auch er Staatssekretär und zwar in der Arbeits- und Sozialverwaltung. Mittes Jugendamt scheint geradezu die Kaderschmiede für Staatssekretäre zu sein. Auch das nützt den Kindern und Jugendlichen in Mitte nichts.
Auf Fritsch’ Internetseite ist zu lesen: „Es war eine gute und interessante Zeit in Berlin-Mitte.“ Das sehen die Kinder und Jugendlichen sicherlich anders. Seit seinem Weggang Mitte November ist der Posten des Jugend- und Finanzstadtrates unbesetzt. Die sozialdemokratische Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch leitet das Jugendamt kommissarisch, auch den Bereich Finanzen. Was aber wiederum den Kindern und Jugendlichen nichts bringt. Am 21. Januar 2010 wird voraussichtlich ein neuer Jugendstadtrat in Mitte gewählt. Dieser wird wieder von der Linkspartei sein und auch wieder das Finanzressort neben dem Jugendamt leiten. Wer immer das sein wird, er oder sie findet einen Scherbenhaufen ehemaliger Jugendstadträte und jetzigen Staatssekretären vor. Die Kinder und Jugendarbeit liegt am Boden. Übrigens: in vielen anderen Bezirken sieht es auch nicht besser aus. SPD, Linke und Grüne Jugendstadträte bemühen sich eifrig, die Kinder- und Jugendarbeit einzustampfen. Wen wundert es, wenn es immer mehr Kinder und Jugendliche gibt, die sich einfach nur noch besaufen. Von Links, rechnen wir mal, auch wenn es schwer fällt, die Grünen mit dazu, können Kinder und Jugendliche in dieser Stadt nichts erwarten. Zur Erinnerung: Wir reden hier über die präventiven Angebote. Dass im Kita-Bereich eine Menge getan wird, ist unbestritten.
In Mitte verabschiedet sich zum Jahresende u.a. der Mädchenclub „Acud“. Der Abschiedsbrief an die Besucherinnen und Eltern, Mitarbeiterinnen und Kolleginnen und Kollegen, ist alles andere als eine Weihnachtsgeschichte.
„Es ist bitter, aber wahr: Zum neuen Jahr müssen wir uns von euch und Ihnen verabschieden. Wie so viele andere Einrichtungen fällt auch der Acud Mädchenclub den fatalen Sparmaßnahmen im Bezirk Mitte zum Opfer. Das bedeutet das Ende vieler kostenloser Angebote für Jugendliche im Bezirk.
Seit der Tagung des Jugendhilfeausschusses am 3. Dezember wissen wir endgültig Bescheid: Nach 13 Jahren, in denen wir erfolgreiche Mädchenarbeit geleistet haben, müssen wir Ende 2009 schließen. Alle Proteste waren zwecklos - der Bezirk reduziert seine Schulden auf Kosten des Jugendbereiches. Für viele bewährte Einrichtungen heißt das: aus und vorbei. Auch für uns.
Leid tut uns das aus vielen Gründen. Uns hat die Arbeit Spaß gemacht. Die Mädchen, die gern und zum Teil seit Jahren hierher gekommen sind, haben sich im Acud Mädchenclub wohl gefühlt. Einen geschützten Raum, an dem sie ihren Interessen nachgehen können und immer ein offenes Ohr finden, dürfen sie sich jetzt woanders suchen. Für sie hoffen wir, dass trotz der massiven Kürzungen noch sinnvolle Angebote in Berlin übrig bleiben werden.
Noch eine andere Gruppe ist von den Kürzungen betroffen, und bei diesen Personen bedanken wir uns von ganzem Herzen. Ohne unsere Honorarkräfte und unbezahlten Praktikantinnen hätten wir unsere Arbeit nicht leisten können. Die Kurse und Freizeitangebote im Mädchenclub wurden zum großen Teil von freien Mitarbeiterinnen geleitet. Wie in vielen anderen Einrichtungen kamen im Acud Mädchenclub auf eine fest angestellte Pädagogin mindestens drei Honorarkräfte.
Sie tauchen in keiner Statistik auf, werden nicht als zukünftige Arbeitslose gezählt. Sie arbeiten in prekären Verhältnissen – ohne Kündigungsschutz, ohne Sozialversicherung, ohne Arbeitsplatzgarantie – und leisten trotzdem ganze Arbeit. Unsere Honorarkräfte haben mit großem Engagement und Kreativität zum Erfolg des Mädchenclubs beigetragen. Gerade für sie sind die Sparmaßnahmen ein Fiasko – angesichts der flächendeckenden Kürzungen sind neue Jobs kaum zu finden.
Bedanken möchten wir uns auch bei unseren engagierten Praktikantinnen. Ihnen wünschen wir, dass sie in der derzeitigen Situation noch eine Möglichkeit finden, ihre unbezahlten Pflichtpraktika abzuleisten.
Ihnen allen wünschen wir alles Gute. Wir verabschieden uns bei allen Besucherinnen, Mitarbeiterinnen und Kolleg/innen und hoffen wider besseres Wissen, dass sich die Lage irgendwann ändern wird – so kann es nicht ewig weitergehen!
Wir bitten trotzdem um Unterstützung, protestieren Sie gegen diese kurzsichtige Politik, berichten Sie über die Kürzungen! Die Folgen betreffen uns alle.“
Kontakt:
Mädchenclub ACUD
Veteranenstrasse 21
VH, 3.OG, rechts
10119 Berlin
030/443 594 96
maedchenclub@acud.de
http://maedchenclub.wordpress.com/
Öffnungszeiten: Mo-Fr 14.00-20.00 Uhr
Ansprechperson: Heinke Castagne
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