Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 22 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

KW 27 - Jena

geschrieben von: Redaktion am 07.07.2024, 06:51 Uhr
paperpress627 
Wie Sie wissen, liebe Leserinnen und Leser, nutze ich den Wochenrückblick häufig für mein interessantestes Erlebnis in den zurückliegen Tagen. Das war nicht die Veranstaltung zur Wärmeplanung, auf der Klara Geywitz und Robert Habeck erzählten, was sie schon alles auf den Weg gebracht haben, dafür aber der Besuch in einer Stadt, die jeder kennt und mit dem Namen Carl Zeiss verbindet, viele aber einfach vorbeifahren, anstatt anzuhalten und auszusteigen.

Zum Jahresende 2017 wurde eine ICE-Neubaustrecke in Betrieb genommen, die Jena um-fährt, damit endete der stündliche Halt mit wichtigen Zielen wie Berlin, Leipzig, Nürnberg und München und den dortigen Großflughäfen. Unerreichbar war damit die 111.000 Einwohnerstadt nicht, denn IC und Regionalbahnen halten weiterhin in Jena. Von Berlin aus kommt man also längst nicht mehr direkt nach Jena, man muss entweder in Erfurt oder Halle umsteigen. Am Dienstag dauerte es mal wieder länger, nicht zwei Stunden, sondern drei, weil irgendeine Strecke gesperrt war und ein unvermeidlicher Notarzteinsatz das Fortkommen behinderte. Interessant nur, dass Teilnehmer eines Kongresses, zu dem auch wir nach Jena reisten, und die eine Verbindung nach uns nahmen, über das gleiche Problem berichteten.

Wenn man es dann bis Jena geschafft hat, öffnet sich das Paradies. So jedenfalls heißt der Bahnhof, der seinen Namen dem angrenzenden Park verdankt. Jena-Paradies ist übrigens kein Bahnhof mehr, sondern nur noch ein Haltepunkt. Wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt, wird einem klar, was viele Ostdeutsche mit „abgehängt“ meinen.

Grund unseres Besuchs in Jena war der zehnte Smart City Logistik Kongress, der im Volkshaus stattfand. „In zurückliegenden Jahren, in denen diese deutschlandweit einzigartige Plattform existiert, hat sich viel getan im Bereich von elektromobilem Güterverkehr und nachhaltiger City Logistik. Der Kongress selbst hat diese Entwicklungen nicht nur theoretisch verfolgt, sondern auch ganz praktisch in sein jährliches Programm und die Fahrzeugausstellungen aufgenommen.“ Im Fokus standen in diesem Jahr u.a. die aktuellen Entwicklungen im Bereich schwerer Gütertransportfahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien, wie dieser E-LkW, bei dem innerhalb von zehn Minuten der Akku gewechselt werden kann.

Den Kongress eröffnete Thüringens Umweltminister Bernhard Stengele (Grüne). Neben der Berufsbezeichnung Politiker steht bei Wikipedia Schauspieler, Rezitator, Regisseur und Theaterleiter. Fraglos wichtige Voraussetzungen für ein Ministeramt.
Stengele sprach sich vehement für Elektrofahrzeuge aus, von denen einige im Hof des Volkshauses zu besichtigen waren, wie zum Beispiel ein Öko-Flitzer.

Um dem Verkehrschaos in den Städten Herr zu werden, sind Lösungen für die berühmte letzte Meile besonders wichtig, auch wenn damit das Umladen der Waren verbunden ist. Der Minister richtete den Blick noch auf ein anderes Problem. Warum haben die Menschen den Bergbau geliebt, obwohl er mit vielen Risiken verbunden war? Seine Antwort: Die Wertschöpfung. Die Menschen konnten sich damit identifizieren, weil immer irgendeiner aus der Familie dort tätig war. Außerdem trug der Bergbau zum kulturellen Leben in den Gemeinden bei, vom Fuß-ballverein bis zur Blaskapelle. Bei einem Windrad besteht dieser Bezug nicht. Deshalb muss versucht werden, Wertschöpfung entstehen zu lassen. Des-wegen setzt sich der Minister dafür ein, dass mit einem Windkraftbeteiligungsgesetz ein kleiner Anteil des Ertrags in der Region bleibt, um davon Kitas oder ein Schwimmbad finanzieren zu können. Bernhard Stengele verspricht sich davon eine höhere Akzeptanz der Windräder.

Dr. Thomas Nitzsche (FDP), ist seit 2018 Oberbürgermeister von Jena und wurde gerade bei den Kommunalwahlen im Amt bestätigt. Musste er im ersten Wahlgang gegen sieben weitere Kandidaten antreten und erreichte mit nur 25,3 Prozent den ersten Platz, gelangen ihm in der Stichwahl am 9. Juni 61,8 Prozent. Im Stadtrat ist die FDP zwar nur mit vier Mandaten vertreten, der Bürgermeister wird jedoch direkt gewählt. Die AfD liegt mit 13,4 Prozent im Mittelfeld und stellt sechs von 46 Sitzen.

In seinem Grußwort zu Beginn des Kongresses wies der Bürgermeister darauf hin, dass seine Stadt mit dem 5G-Netz versorgt ist. Damit lasse sich die Ampelsteuerung in der Stadt optimieren. Das bestehende Verkehrsnetz werde besser. Und darum ging es bei dem Kongress, nämlich die Verkehrsströme so effektiv wie möglich zu steuern und durch die Städte zu leiten.

An dem von der DAKO GmbH veranstalteten Kongress nahmen rund 70 Vertreter von Unternehmen aus ganz Deutschland teil. Aus Berlin waren u.a. die Technische Universität, die Hochschule für Technik und Wirtschaft und die Deutsche Post DHL Group vertreten.

Dr. Harald Hempel von der DAKO GmbH hielt einen spannenden Vortrag über die City Logistik, „gestern, heute und anderswo“. Dabei ging er zu-rück bis ins alte Rom, wo die Menschen ähnliche Problemen hatten, wie wir sie heute haben. Was tun, wenn seinem Ochsenkarren auf einer etwas mehr als zwei Meter breiten Straße ein anderer Ochsenkarren entgegenkommt? Hempel zeigte weltweite Beispiele auf, wie überall mit dem Liefer-verkehr gekämpft wird. Den berühmten Königsweg hat noch keiner gefunden. Er berichtete auch über verschiedenen Projekten, die Logistik-Lösungen entwickelt und angeboten haben. Bei den meisten stand ein Datum, an dem es vom Netz genommen wurde.

In 20 Vorträgen an eineinhalb Tagen wurde die gesamte Bandbreite des Themas behandelt. Und selbst noch beim gemütlichen Abendessen drehte sich alles um die Logistik.

Seit Inbetriebnahme eines Solarbootes 2022, mit dem die DHL Pakete auf Berlins Wasserstraßen befördert, begleiten wir das Projekt medial. Projektleiter Andreas Schwager hat deutschland-weit inzwischen dutzende von Vorträgen zum Einsatz des Solarbootes gehalten. In vielen Städten gibt es Wasserstraßen, der Transport von Paketen auf diesen hält sich jedoch bislang in Grenzen. Die DHL Group will in Berlin ein zweites Boot für eine weitere Strecke anschaffen. Das Vorhaben befindet sich in Abstimmung mit Senat und Bezirken, Synonym dafür, dass es noch etwas dauern wird.

Das Hauptproblem lässt sich nicht mehr aus der Welt schaffen. Die Menschen lassen sich immer mehr Waren nach Hause liefern. Die Folge davon sehen wir am Niedergang der Einkaufsstraßen und am Leerstand in den Shopping-Malls. Das ist allein kein deutsches, sondern ein internationales Problem. Marc Oliver Schoeck, Director of Business Development der TAY-e GmbH, erzählte uns beim Abendessen, dass sich in Frankreich die Menschen alles liefern lassen. War einkaufen früher nicht mal auch ein sinnliches Erlebnis? Was ist bloß los mit den Menschen? Durch ihre Faulheit werden die Straßen verstopft und verödet der Einzelhandel.

Aber nun zu einem erfreulichen Thema: JENA. Was für ein schönes Städtchen. Jena ist eine der freundlichen Seiten Thüringens, jenseits von Höcke und Co. Jena ist eine junge Stadt, dank ihrer Universität mit 18.000 Studierenden, die 1558 gegründet wurde und seit 1934 den Namen Friedrich Schillers trägt. Auch an Goethe, der sich oft in Jena aufhielt, wird gedacht, als Namensgeber einer Einkaufspassage.

Und an noch jemand, keinen Dichter, aber einen Denker, Unternehmer und Politiker erinnern sich die Jenaer gern, Lothar Späth, 1978-1991 Ministerpräsident von Baden-Württemberg und unmittelbar danach Geschäftsführer der Jenoptik, eines der wenigen ostdeutschen Unternehmen, das sich im wiedervereinten Deutschland behaupten konnte. Und dafür bauen ihm die Jenaer ein Denkmal.

Ein Blick auf Jena, wie man ihn nur von einem der beeindruckendsten Gebäude der Stadt erleben kann. Der JenTower wurde 1972 eingeweiht und zwischen 1999 und 2001 kernsaniert. Einige Etagen werden von der Friedrich-Schiller-Universität genutzt.

Das 27. Geschoss wurde bis Ende 2012 in das Hotel Scala umgebaut. Es verfügt über sieben Einzelzimmer, neun Doppelzimmer sowie eine Suite und ist mit 120 m Höhe das zweithöchstgelegene Hotel Deutschlands innerhalb eines Gebäudes. Im 28. und 29. Obergeschoss befinden sich ein täglich geöffnetes Restaurant und eine öffentliche Aussichtsplatt-form, im 29. Geschoss außerdem Sendeanlagen mehrerer Mobilfunkbetreiber, die die Antennenanlage des Gebäudes nutzen. Der Ausblick vom Frühstückraum, wie von den Zimmern, ist unvergleichlich.

Jenoptik ist das Markenzeichen von Jena. Und auch das der Stadt gehörende Volkshaus Jena ist eng damit verbunden, wurde es doch 1903 mit Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung errichtet.

Beim Spaziergang durch Jena kommt man am Welcome Center vorbei, „work in jena“? Warum nicht. Jena lohnt sich.

Ed Koch


  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.