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Berlin wird verwaltet und nicht gestaltet

geschrieben von: Redaktion am 10.06.2024, 19:19 Uhr
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Anlässlich der Fertigstellung des EUREF-Campus mit der Einweihung des Gasometer-Gebäudes, sprachen wir mit Reinhard Müller. Von Beruf ist er Architekt und Stadtplaner und hat in Düsseldorf und Berlin studiert. Den Kernsatz des Gesprächs stellen wir an den Anfang: „Ein weiteres neues Großprojekt unter meiner Führung wird es in Berlin nicht geben; aber vielleicht haben meine langjährigen Kollegen Karin Teichmann, Sarah-Maria Ameler, Kevin Hauert und Johannes Tücks Interesse, für Berlin weiterzudenken. Dann kann ich den einen oder anderen Rat beisteuern. Vielleicht weiß Berlin irgendwann, wohin die Reise geht und wird nicht nur verwaltet, sondern wieder gestaltet.“

Berlin hat Reinhard Müller viele Projekte zu verdanken, ob das Gebäude Unter den Linden 42 mit dem Café EINSTEIN, Universal und die Spreespeicher an der Oberbaum-Brücke, die Sanierung des Brandenburger Tores und des Strandbad Wannsee durch eine eigens zu diesem Zweck von ihm und seiner Ehefrau Maria gegründeten Stiftung Denkmalschutz Berlin, das Center Tempelhofer Hafen mit dem Al-leinstellungsmerkmal, direkt am Wasser zu liegen, und natürlich der EUREF-Campus in Schöneberg.

Die bei der Einweihung am 1. Juni anwesende Politikprominenz war voll des Lobes über Reinhard Müller und sein Team. Das hat ihn gefreut; lieber wäre ihm gewesen, wenn daraus eine Aufbruchstimmung entstanden wäre. Was er geschaffen hat, ist kein Hexenwerk, jeder könnte es nachmachen. Berlin verfügt über genügend Potential an Flächen für Wohnungs- und Gewerbebau. Es fehlt in Berlin aber die große Linie und ein „Wow“. Es gibt keine zielführende Idee für die Stadt, für die Kultur und für die Umwelt. Der einstige Glanz ist verblasst, nur wenige haben noch den Mut und die Lust, irgendetwas zu wagen. „Wo sind die großen Ideen, die Berlin nach der Wende nach vorne gebracht haben? Wo sind die mutigen Ideen und mögen sie noch so verrückt klingen?“

Eine Aufbruchstimmung gab es zuletzt in Berlin, als Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister und Peter Strieder und Hans Stimmann für die Stadtentwicklung zuständig waren. Dem früheren Senatsbaudirektor Hans Stimmann hat Berlin den Pariser, Leipziger und Potsdamer Platz zu verdanken und er konzipierte das Planwerk Innenstadt. Für sein Lebenswerk wurde Stimmann am 1. Juni von Reinhard Müller mit dem „EUREF-Star“ ausgezeichnet. Hans Stimmann und sein verstorbener Partner Bernd Albers haben auch den Städtebau für den EUREF-Campus entwickelt, der dem Bebauungsplan zugrunde liegt.

„Wo ist die große Aufbruchstimmung heute?“, fragt sich Reinhard Müller. Zwar habe sich das Ansehen der Stadt mit Schwarz-Rot verbessert, was aber nicht ausreiche. „Gute Sozialpolitik funktioniert nur, wenn wir eine intelligente Wirtschaftspolitik betreiben. Die gnadenlose Sparpolitik ist der falsche Weg. Berlin hat genügend Potential, wir müssen nicht um jeden Preis sparen, sondern für mehr Einnahmen und Wachstum sorgen.“

Der Flughafen Berlin Brandenburg ist im November 2023 mit dem Airport Innovation Award 2023 aus-gezeichnet worden. Im Finale setzte sich der BER gegen sieben weltweit führende Flughäfen wie Do-ha, Wien, Frankfurt und Amsterdam durch. Die Flughafenchefin Aletta von Massenbach wird aber kritisiert, weil zu wenig Fluggäste in Berlin landen. Für Müller ist das nachvollziehbar. „Warum sollen die Menschen nach Berlin kommen? Die ersten Hotels in Berlin-Mitte schließen, weitere im Westteil der Stadt werden folgen – es fehlen die Touristen, die großen Messen und die großen Kongresse. Da-her ist es an der Zeit, dass in Berlin wieder groß gedacht und die kleinkarierte Denkweise abgelegt wird.“

Der EUREF-Campus Berlin ist vollendet und so geworden, wie ihn sich Reinhard Müller und sein Team vorgestellt haben. Als früherer Leistungssportler hat ihm der Gegenwind nichts ausgemacht. Er sei nur gut, wenn es diesen gäbe, weil man bei Rückenwind nachlässig werde. Die Gebäude auf dem EUREF-Campus wurden so gebaut, wie er es für richtig hielt, ohne komplizierte Wettbewerbe, dafür aber kompatibel mit den Wünschen der Nutzer. Nicht ihm, sondern den Mietern müssen die Gebäude zu-sagen. Angesichts des Ergebnisses, dass kein Quadratmeter freie Fläche zur Vermietung steht, ist dieses Konzept aufgegangen.

Der Campus in Berlin ist vollendet, er wird sich aber in den nächsten Jahren durch die dort ansässige Community weiterentwickeln. Das Reallabor lebt, oder wie man heute sagt, es atmet. Wenn auch nicht in Berlin, so doch aber in Düsseldorf wird es weitergehen. Dort entsteht der zweite Campus, in dem ab Juli dieses Jahres im 1. Bauabschnitt die ersten Mieter einziehen. Die 38.000 qm Mietflächen sind voll vermietet. Ende 2025 wird dann auch der zweite Bauabschnitt fertiggestellt und für den 3. Bauabschnitt liegt bereits die Baugenehmigung vor. Es gibt also noch viel zu tun. Und in Zürich ist in Zusammenarbeit mit Schneider Electric das erste Projekt im Ausland geplant.

Reinhard Müller ist es, last but not least, besonders wichtig zu sagen, dass alles ohne sein Team nicht möglich wäre. Sein Verdienst bestehe nicht darin, die Vorhaben realisiert, sondern ein Kernteam von Mitarbeitern zu haben, das teilweise seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig ist. Müller arbeitet gerne mit A-Playern, und davon hat er sehr viele in seinem Team von 150 Mitarbeitern. Auch wenn es alle verdient hätten, namentlich genannt zu werden, so möchte er doch einige erwähnen: die Architekten Johannes Tücks und Alexander Neumann, die Bauleiter Heribert Günther und Petra Krüger, die für die Finanzen zuständige Prokuristin Doreen Backhoff, die beiden Gastronomiechefs Thomas Kammeier und Dirk Biedermann sowie seine Vorstandskollegen Karin Teichmann, Sarah-Maria Ameler und Kevin Hauert.

Die Kritik an den Verhältnissen in Berlin wird Reinhard Müller nicht daran hindern, sich weiterhin ein-zumischen und einzubringen. Und vielleicht passiert dann mal wieder was, wo er laut „Wow“ sagen kann.

Mit Reinhard Müller sprach Ed Koch






  
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