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Da kannste nicht meckern

geschrieben von: Redaktion am 08.06.2024, 06:37 Uhr
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Im Rahmen unserer 2008 begonnenen Berichterstattung über die Entstehung des EUREF-Campus am Schöneberger Gasometer, dokumentieren wir die Rede von Peter Strieder, die er anlässlich der Fertigstellung am 1. Juni 2024 hielt, und in der Sie auch erfahren, warum die Tartanbahn im Olympiastadion blau ist.

Jetzt ist es so weit! Der Gasometer ist eröffnet und übergeben, der EUREF-Campus ist fertig gebaut. Ungefähr 15 Jahre hat es gedauert. Das Ergebnis ist grandios und ganz besonders das Werk eines Mannes: Reinhard Müller. Diesen auferstandenen Gasometer, ein neues Wahrzeichen Berlins, und das ganze Areal des EUREF-Campus verdanken wir in erster Linie ihm.

Reinhard Müller hat hier mit seinem Team ein wahres Wunder vollbracht, an das vor zehn Jahren, wie üblich bei Wundern, niemand glaubte. Es wurde nicht Wasser in Wein verwandelt, nicht mehr Koks in Stadtgas, sondern eine Industriebrache des 19. Jahrhunderts in den modernsten Zukunftsort Berlins im 21. Jahrhundert. CO2 neutral, Vorzeigeort für Zukunftstechnologien, Reallabor der Energiewende. Der Gasometer eine neue Landmark.

Ein Wunder? Nein, das Werk eines besonderen Architekten und Unternehmers. Früher nannte man ihn in Fachkreisen „Mister Bauqualität“. Dies ist sein Credo geblieben. Lange planen, kurz bauen, pünktlich übergeben.

Berlin feiert heute die Eröffnung des Gasometers und damit die Vollendung des EUREF-Campus. Großzügig verzichten wir darauf, Zeitungen oder Politiker zu zitieren, die die Ankündigung, hier einen CO2 neutralen Campus zu errichten, für eine in Berlin übliche Großspurigkeit hielten und sich jetzt die Augen reiben, obwohl hier schon seit 2014 die CO2 Klimaziele der Bundesregierung für 2045 erfüllt werden.

Wer Reinhard Müller allerdings näher kennt, hat ihm von Anfang an zugetraut, aus den 122 Arbeitsplätzen, die es hier einmal gab, mehr als 7.000 zu machen. Übrigens: ohne einen Cent öffentlicher Subventionen.

Ich habe Reinhard Müller vor 28 Jahren kennengelernt, als ich Senator für Stadtentwicklung wurde. Zum Ressort gehörte auch der Denkmalschutz und damit der Landesdenkmalrat, dessen Mitglied er war. Von einem Abgeordneten erhielt ich den Tipp, mich mal mit Herrn Müller zu treffen, er sei Architekt und verstehe auch etwas von Geld und vom Steuersparen mit Denkmälern. Das sollte sich bewahrheiten! Wir verstanden uns auf Anhieb, waren beide gutem Essen und auch ordentlichem Wein nicht abgeneigt, also waren wir viel unterwegs.

Eines Abends eröffnete er mir, eigentlich Mitglied der SPD zu sein, allerdings könne er sein Parteibuch nicht finden und fürchte, für viele Jahre die Beiträge nachentrichten zu müssen. Das Problem der drohenden Überschuldung durch ausstehende Parteibei-träge ließ sich lösen. So nahm seine weitere Parteikarriere ihren Lauf.

Ich verzichtete zwar auf seine Idee, seinen roten Ferrari mit dem Schriftzug „wir haben verstanden“ im Wahlkampf einzusetzen. Aber als einfaches Parteimitglied lernte er schnell alle in Bund und Land kennen, duzte sich mit ihnen und beriet sie, organisierte eine Ausstellung der Sammlung Böckmann mit Werken Gerhard Richters im Kanzleramt, erklärte Umweltminister Sigmar Gabriel die Energiewende und begleitete Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Russland. Er dürfte hier im Saal wohl der Einzige sein, der selbst in Tschernobyl war.

Reinhard Müller hat auch seinen Anteil an der blau-en Bahn im Olympiastadion. Mir war klar, dass die Idee von Hertha, bei der Sanierung des Olympiastadions eine blaue Tartanbahn zu verlegen, zum Konflikt mit dem Denkmalschutz und den Architekten führen würde. Ich bat Reinhard Müller, im Lan-desdenkmalrat für die blaue Bahn zu werben. Und er tat es mit dem Argument, rote Tartanbahnen gebe es erst seit den 70er Jahren. Im Original seien es Aschenbahnen gewesen und Asche sei eher blau-grau als rot und deshalb sei eine blaue Tartanbahn auch denkmalpflegerisch verträglich. So ist wohl das Berliner Olympiastadion bis heute die einzige große Anlage mit blauer Bahn. Dieser Austausch von Politik und Wirtschaft, wie wir ihn pflegten, wird heute skeptisch beäugt, dabei kann er beiden Seiten helfen, richtige Entscheidungen zu treffen. Reinhard ist – das sage ich heute noch bewundernd – ein Ingenieur, der wie kaum ein zweiter alt und neu, modern und Denkmal zusammenbringen kann und ein erfolgreicher Unternehmer. Maria, seine Frau, kontrolliert seit eh und je das private Budget. Mit ihrer Zustimmung gründeten die Müllers die Stiftung Denkmalschutz Berlin und legten den finanziellen Grundstock.

Mitte der 90er Jahre war das Geld im Berliner Haus-halt knapp, die Investitionen in das Zusammen-wachsen der wieder vereinten Stadt waren enorm. Umso willkommener war es, als die soeben gegründete Stiftung Denkmalschutz Berlin anbot, die Sanierung des Brandenburger Tors zu übernehmen. Wenigstens ein Thema, das aus Geldmangel nicht liegen bleiben musste. Der Senat billigte einen Ver-trag, in dem alle Rechte und Pflichten niedergelegt waren und Reinhard Müller machte sich mit seinen Leuten daran, die Sanierung zu planen, ein Werbekonzept zur Finanzierung zu entwickeln, neue Laser-Technologien zur Säuberung des Sandsteins zu prüfen und so weiter. Lothar de Maiziere, Wolfgang Thierse, Dr. Christian Melcher und viele andere hat er als prominente Unterstützer gewonnen. Den-noch: Derartiges Mäzenatentum kennt man im Land der Neidhammel nicht. Während das Team von Reinhard unentgeltlich die Sanierung plante und beaufsichtigte, gab es von Spiegel bis Tagesspiegel öffentliche Unterstellungen und blanke Missgunst. Letztlich testierte Transparency International, dass alles in Ordnung sei. Die Gerichte untersagten die medialen Unterstellungen.

Während der Sanierung musste die Durchfahrt durch das Brandenburger Tor gesperrt werden, ein damals schier unglaublicher Vorgang, denn der CDU, dem ADAC und unzähligen Autofahrern galt die Fahrt durchs Brandenburger Tor als der Inbegriff von wieder erlangter Freiheit. Die Stiftung Denkmalschutz Berlin begründete die Sperrung mit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen, wir ließen den Pariser Platz als Platz pflastern, so dass nach Abschluss der Sanierungsarbeiten die weitere Sperrung des Tores für Durchfahrten problemlos akzeptiert wurde und sich dieses Denkmal heute angemessen und würdig präsentieren kann.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hat mittlerweile 25 Millionen Euro in die Sanierung öffentlicher Liegenschaften investiert, vom Strandbad Wannsee bis zum Charlottenburger Tor, zuletzt wurde die Apostel Paulus Kirche in Schöneberg so ertüchtigt, dass sie die Klimaziele der Bundesregierung für 2045 bereits heute erfüllt. Liebe Maria, lieber Reinhard, das war ein großes Geschenk an Berlin, vielen Dank.

Es war ein glücklicher Umstand, dass ich Reinhard in der Finanzkrise 2009 den Tipp geben konnte, dass sich der damalige Finanzvorstand der Gasag, Olaf Czernomoriez, über einen Verkauf des Geländes um den Schöneberger Gasometer freuen würde, konnte er so doch hohe Rückstellungen für die Alt-lasten auflösen. Außer Reinhard Müller hatte damals kaum ein Berliner Entwickler Geld und Mut, Kredite gab es nicht und er brauchte keine.

Viele fragten sich, was Müller wohl mit dem Gelände vorhabe, wahrscheinlich auch der Gasag-Vorstand. Nach der Zustimmung des Aufsichtsrats der Gasag hat Reinhard Müller den Gasag-Vorstand zu einem Abendessen eingeladen. Während des Essens zog er das von seinen Mitarbeitern präparierte Magazin „Der Spiegel“ aus der Tasche und schlug die Mittelseiten auf mit den Worten: das haben Sie sich bestimmt so nicht gedacht. Die Headline war: Gas plus, der neue Gasanbieter für Berlin.

Der Spiegel berichtete also, die Gasag bekomme Konkurrenz. Es folgte ein zweiseitiger Artikel zur neuen Marke, die vom ehemaligen Gasag-Gelände aus die Stadt deutlich billiger versorgen werde, als es die Gasag tat. Der Vertriebsvorstand wurde ab-wechselnd rot und blass, bis Herr Müller den Spaß in der ihm eigenen Art mit den Floskeln auflöste „unter uns gesagt, sei mir bitte nicht böse“ und dabei in lautes Lachen ausbrach. Der Abend nahm doch noch ein versöhnliches Ende.

Reinhard Müller übernahm das Altlastenrisiko und entwickelte mit Hans Stimmann und Bernd Albers einen Städtebau, der auf die Industriegeschichte Rücksicht nimmt und dem Ort einen urbanen und dennoch offenen Charakter gibt. Gleichzeitig kam er mit der Marke EUREF um die Ecke, ohne Agentur, ohne Think Tank, allein am Schreibtisch. EUREF Europäisches Energieforum - European Energy Forum - funktioniert bis heute! So ist er: eigen-willig, ideenreich, durchsetzungsstark.

Selbst ein so erfolgreicher Unternehmer und Visionär wie Reinhard Müller braucht zur Verwirklichung seiner Ideen die Unterstützung der Politik. Das gilt auch für den EUREF-Campus. Frau Senatorin Katrin Lompscher hat genauso geholfen wie Herr Senator Andreas Geisel und die Mitglieder des hiesigen Bezirksamtes, Angelika Schöttler und Jörn Oltmann. Am Ende musste der derzeitige Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler noch seinem Landesdenkmalamt beibringen, dass Berlins größter Arbeitgeber und wichtigster Konzern, die Deutsche Bahn, sein Logo am denkmalgeschützten Gasometer anbringen darf.

Alle Neubauten und alle Sanierungen hat Reinhard Müller mit Johannes Tücks und seinen Kolleginnen und Kollegen entwickelt, verworfen, neu durch-dacht. Es waren lange Planungsprozesse bis Petra Krüger und Heribert Günther die bauliche Verantwortung übernommen, alles kontrolliert und pünktlich abgeliefert haben. Kein Haus ist von der Stange, keines gleicht dem anderen, jedes für sich hat eine eigene Identität und schafft für die Mieter eine eigene Adresse. Die Führung und die Verantwortung, auch die ökonomische, lag aber immer allein bei Dir, natürlich unterstützt durch den Aufsichtsrat und seinen Vorsitzenden Eckardt John von Freyend, der uns zwang so zu tun, als sei die EUREF AG ein großes börsennotiertes Unternehmen. Wahrscheinlich weiß er mehr als andere, die Weiterbildung hat uns jedenfalls nicht geschadet!

Ein wichtiger Schritt in der Projektentwicklung war, dass du den Sonntagstalk mit Günther Jauch und mit ihm die deutsche Politik herholen konntest. Da-mit war das Zeichen gesetzt, dass Müller mehr will und man ihn ernstnehmen sollte. Mittlerweile findet auch Maria, dass es eine gute Idee war, Thomas Kammeier zu engagieren und ihn ein Team auf-bauen zu lassen, das für eine ausgezeichnete Gastronomie steht. Deine kaufmännische Spezialtruppe mit Benjamin Melchert und Martin John von Freyend, jetzt mit Kevin Hauert hat das notwendige Geld für die Investitionen zusammengehalten und dich bei den Mietverträgen unterstützt.

In den letzten Jahren hat Reinhard Müller sein Team erweitert und umgebaut. Stephan Kohler, der leider verstorbene frühere Chef der Deutschen Energieagentur, stärkte mit seinen Ideen einer CO2 freien Zukunft Reinhard Müller immer wieder den Rücken. Karin Teichmann kam von BerlinPartner, denn es konnte ja nicht schaden, hier jemanden zu haben, die in der Berliner Wirtschaft vernetzt ist und gelassen den manchmal – bitte sei mir nicht böse, etcetera pp-Müller bremsen kann. Ein besonders Glück hattest du, dass Sarah (Anm.de.Red. Sarah-Maria Ameler, Reinhard Müllers Tochter) sich dafür entschied, hier einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen.

Der Campus ist fertig gebaut. Jetzt muss er Campus bleiben. Das heißt, Zusammendenken und Zusammenagieren, Erfahrungsaustausch und voneinander lernen stehen im Vordergrund. Nicht einer entscheidet, sondern gemeinsam ist man stärker. Jetzt kommt es also auf die Communitymanager an. Und genau das ist das Team unter Sarahs Leitung.

Heute wollen viele Teil des Erfolgs sein: die Parteien zahlen dafür, dass sie hier auf dem EUREF-Campus ihre Koalitionsverhandlungen, Klausuren, Sommer-feste veranstalten dürfen, genauso wie der VBKI oder der BDI, der in drei Wochen hier den Tag der Deutschen Industrie mit dem Bundeskanzler und dem halben Kabinett ausrichtet. Und die Bundesregierung nutzt den Campus, um international zu zeigen, wie die Energiewende erfolgreich sein kann.

Wie beim Brandenburger Tor so war es auch mit dem EUREF-Campus: Skepsis, ob das funktioniert, wann wohl der Antrag auf öffentliche Subventionen komme, denn anders gehe das ja gar nicht, wir sind ja schließlich in Berlin, sicherlich müsse die Stadt bald eine Investitionsruine übernehmen und teuer bezahlen. Pustekuchen möchte man rufen: Das Brandenburger Tor wurde saniert übergeben, der EUREF-Campus ist fertiggestellt. Und in Düsseldorf auf dem nächsten Müller-EUREF-Campus ziehen bald die ersten Mieter ein. Hier passt nun wirklich Berlins höchstes Lob: Da kannste nicht meckern! Herzlichen Glückwunsch und großen Dank im Namen vieler Berlinerinnen und Berliner.

Anmerkung der Redaktion: Nachdem Reinhard Müller am 5. November 2008 das Projekt EUREF-Campus vorgestellt hatte, erschien am 9. November 2008 paperpress mit der Schlagzeile: „Ein guter Tag für Tempelhof-Schöneberg“ – und weit darüber hinaus, wie wir heute wissen.

  
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