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Gemeinsam stark sein

geschrieben von: Redaktion am 19.01.2023, 06:07 Uhr
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Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass man gemeinsam stärker ist. Um das erreichen zu können, müssen aber erst einmal Egoismen überwunden werden. Gerade, wenn es um eine Zusammenarbeit unterschiedlicher Unternehmen geht, ist das oft nicht so einfach, denn wer will sich schon freiwillig in die Karten schauen lassen.


In der Marienfelder Motzener Straße ist das Gemeinsame gut gelungen. Das UnternehmensNetzwerk ist eine seit 2005 bestehende Initiative von Unternehmen des Industriegebietes mit dem Ziel, die Kräfte der Unternehmen zu bündeln und zielgerichtet für die Weiterentwicklung des Standortes und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen einzusetzen. Getragen wird das Netzwerk durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit der lokalen Firmen und die engen Kontakte zwischen den Beteiligten.

Am Standort Motzener Straße arbeiten rund 5.000 Beschäftige in 200 Betrieben, (wovon 60 Unternehmen mit 2.500 Beschäftigten Mitglied im Netzwerk sind) weitere tausende von Arbeitsplätzen bestehen in den unmittelbar angrenzenden Gebieten. Viele Unternehmen produzieren für die internationalen Märkte, zeigen eine hohe technologische Qualität mit eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und tauschen sich auch im Netzwerk mit Hoch-schulen und Forschungseinrichtungen aus. Tradition und Innovation sind in der Motzener Straße der Wachstumsmotor.

Wie oft treffen Sie Ihren Nachbarn? Kürzlich kam ich mit einem Mieter am Aufzug ins Gespräch, der schon ewig hier wohnt. „Sind Sie neu?“, fragte er mich. Nein, vier Jahre wohne ich hier schon, und nie zuvor ist man sich begegnet. Wenn es in der Motzener Straße so zuginge wie in meinem Haus, sähe es dort anders aus.

Also laden sich die Nachbarn gegenseitig zum Kennenlernen ein. Monatlich finden Unternehmenstreffen statt, bei denen sich ein Betrieb vorstellt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Kennenlernen, Vertiefen der Beziehungen und Austausch von Erfahrungen. Hieraus entstehen erfolgreiche Kooperationen. Besonders sinnvoll ist es, gemeinsam Einkäufe zu organisieren, wie beispielsweise Energie oder Initiativen zum gebündelten Bezug von Dienstleistungen und anderer Vorleistungen. Regelmäßig stattfindende Weiterbildungen tragen zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen bei.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kooperation mit Hochschulen. Durch den regen Austausch zu innovativen Themen profitieren die Firmen in direktem Maße vom angebotenen Wissenstransfer. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens hilft die Kooperation den Unternehmen. Auf Initiative des Vereins wurde die Errichtung einer öffentlichen Kita mit betriebsnahen Öffnungszeiten realisiert.

Beim Fachkräftemangel muss man sich rechtzeitig um den Nachwuchs kümmern. Das Unternehmens-Netzwerk unterhält Kooperationen mit Schulen im Einzugsbereich des Standorts und unterstützt diese bei der Berufsorientierung insbesondere beim Über-gang von Schule zum Beruf. Am Stammtisch „Schule trifft Wirtschaft“ treffen sich Schulvertreter und Unternehmer, um gemeinsame Aktivitäten zu planen. Eine Ausbildungsbroschüre informiert jährlich über freie Ausbildungs- und Praktikaplätze. Der jedes Jahr stattfindende Industrietag ermöglicht interessante Einblicke in die Unternehmen.

Zu einer innovativen Wirtschaftsförderung gehört auch eine sinnvolle, der Industrie zugewandte Bestandspolitik, die der traditionellen Industrie eine Zukunftsperspektive eröffnet. Das Unternehmensnetzwerk will gemeinsam mit dem Bezirk den Weg für einen dauerhaft attraktiven Standort beschrei-ten.

Wenn es einen Bereich gibt, in dem gespart werden muss, dann beim Energieverbrauch. Im März 2022 wurde das Projekt „Grünes Kraftwerk“ gestartet. „Für das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße ist das Thema Nachhaltigkeit quasi Teil ihrer DNA. Seit Gründung des Netzwerks vor 17 Jahren steht Klimaschutz auf der Agenda.“, heißt es in einer vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg herausgegebenen Pressemitteilung. „NEMo oder Null Emission Motzener Straße ist das erklärte Ziel des Unternehmensnetzwerks, das bis spätestens 2050 erfüllt werden soll. Viele konkrete Maßnahmen folgten in den vergangenen Jahren, um dieses Ziel möglichst schnell und effizient zu erreichen.“

„Der neuste innovative Coup gelang dem Netzwerk mit dem Grünen Kraftwerk. So haben die beteiligten fünfzehn Unternehmen seit Projektstart bisher bereits 1,3 Million kWh Energie nachhaltig erzeugt. Sie beschäftigten insgesamt mehr als tausend Mit-arbeitende und haben ihren Standort teilweise seit Jahrzehnten im Industriegebiet Motzener Straße. Rund 80 Prozent der erzeugten Energie stammen aus Photovoltaik- und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Etwa 20 Prozent wurden in Form von Wärme aus Holzheizkesseln, Wärmepumpen und Blockheizkraftwerken gewonnen.“, heißt es weiter in der Pressemitteilung.

„Diese Erfolge werden auf der Internetseite zum Grünen Kraftwerk nachvollziehbar dargestellt. Positiv schlägt auch die daraus resultierende CO2-Emissionsminderung am Standort zu Buche. Das Grüne Kraftwerk vernetzt digital insgesamt sieb-zehn Photovoltaikanlagen für die Stromerzeugung und sieben Installationen für umweltgerecht erzeugte Wärme. Bei den beteiligten Unternehmen handelt es sich um zwölf Produktionsunternehmen aus den Branchen Maschinenbau, Kunststoffverarbeitung, Metallbau, Medizintechnik, sowie der Fenster und Möbelherstellung. Hinzu kommen noch drei Großhandelsunternehmen.“

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann sagte beim Neujahrsempfang: „Im Bereich der Nachhaltigkeit nehmen die Unternehmen aus Tempelhof-Schöneberg schon heute eine Vorreiterrolle in Berlin ein. Der Green Buddy Award und die Nachhaltigkeitscharta Grüner Hirsch sind sichtbare Belege dafür. Das Unternehmensnetzwerk Motzener Straße hat sich der Nachhaltigkeit in ganz besonderer Weise verschrieben und schafft mit seiner Arbeit Leuchttürme für die Berliner Wirtschaft."

Die Firmen gingen „mit diesem Einsatz für den Standort einen wichtigen Schritt zu einem intelligenten, smarten Industriegebiet der Zukunft“, sagte der Netzwerk Vorsitzende Ulrich Misgeld im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.: „Die digitale Vernetzung eines Quartiers mit Echtzeitdaten wird künftig ein wichtiger Standort-Faktor sein.“ Es sei „sehr erfreulich, dass es im Industriegebiet Motzener Straße immer wieder gelinge, die Tradition des Standorts mit innovativen Ideen zu verbinden. Das Netzwerk wurde bereits früher für seine Ideen und seine Kooperation prämiert, so 2016 als „Ausgezeichneter Ort“ im Rahmen des Innovationswettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen“ und 2015 als „Projekt des Monats“ der Nationalen Klimaschutz-Initiative.

Ulrich Misgeld will noch weitergehen, kündigte er in dem Interview mit der Berliner Morgenpost an. „Vielleicht erlangt das „Grüne Kraftwerk“ durch seinen erfolgreichen Start eine Pilotfunktion für Industrie- und Gewerbegebiete in Berlin und kann auch als „Blaupause“ für weitere Wirtschaftsstandorte in der Stadt und darüber hinaus dienen.“ Das Grüne Kraftwerk hat es bereits in den Wirtschafts- und Innovationsbericht des Wirtschaftssenators im Handlungsfeld Digitalisierung geschafft.

Ärgernisse

Im Gespräch mit paperpress sprach Ulrich Misgeld auch ein paar Probleme an, die das Netzwerk und das ansonsten gute Verhältnis zum Bezirksamt belasten. So hat die Bezirksverwaltung ein Logistikzentrum auf dem ehemaligen Grundstück von Selux in der Motzener Straße 34 genehmigt. Durch die kleine Sperenberger Straße sollen dem-nach künftig täglich 450 Lieferfahrzeuge, davon 140 Sattelschlepper fahren. „Das wird zu einer Blockade der anliegenden Betriebe führen und zu einer schweren Störung des Verkehrs auf der Motzener Straße.“, sagt Ulrich Misgeld. Gegen die Baumaßnahme hat das Netzwerk Motzener Straße Widerspruch eingelegt.

In der Begründung wird darauf hingewiesen, dass die Motzener Straße ohnehin schon stark frequentiert sei. „Ein Logistikzentrum mit dem damit verbundenen Verkehr wirkt sich auf die heute schon angespannten Situationen an den Kreuzungspunkten sowie Grundstücksein- und -ausfahrten zwischen Nahmitzer Damm und Schichauweg negativ aus. Bis voraussichtlich 2025 muss die Motzener Straße zusätzlich den Umleitungsverkehr von der gesperrten Buckoer Chaussee aufnehmen. Wenn die Erreichbarkeit der Betriebe durch die Verkehrssituation nicht mehr in vertretbarer Zeit gewährleistet ist, hat das auf Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten negative Auswirkungen und entsprechende Rückwirkungen auf die Situation der Betriebe.“

In der Begründung verweist das Netzwerk auf die schlechten Erfahrungen mit dem Logistikzentrum in der Porschestraße, wo „Sprinter“ die knappen Park-plätze blockieren. Gemeint ist das Logistikzentrum von Amazon, ohne es namentlich zu erwähnen. Wer Betreiber des Logistikzentrums in der Motzener Straße sein wird, ist offenbar nicht bekannt.

Ein weiteres Ärgernis ist das ehemalige Klärwerksgebäude der Berliner Wasserbetriebe am Schichauweg. Drinnen gibt es inzwischen erhebliche Vandalismusschäden, und die „Kunst am Bau“ hat auch die besten Tage hinter sich.

„Bereits seit über 25 Jahren steht das Gebäude leer. Die Räume sind ungenutzt und umliegende Flächen verwildert. Mit seiner Lage im Gewerbegebiet Motzener Straße, der Marienfelder Feldmark und nahe dem Umweltbundesamt liegt es jedoch an einem attraktiven Standort.“

Das Netzwerk hat bereits 2019 umfangreiche Nutzungsideen entwickelt, denen das Bezirksamt bis-lang nicht nähergekommen ist. „Entwicklung als Showroom sowie Lehr- und Forschungsräume für Erneuerbare Energien. Studierende der Umweltwissenschaften und -informatik, Ingenieurswissenschaften, etc. bekämen hierdurch die Möglichkeit, Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen hautnah zu erleben und entsprechend mit diesen zu Studienzwecken zu arbeiten. Aktuell ist ein solcher Ort für Studierende der Hochschulen nicht vorhanden. Der Showroom könnte zudem für das Umweltbundesamt von Interesse sein, da die Energiewende somit auch für Besucher der Bundesbehörde sichtbar gemacht würde.

Seminarräume für Umweltaktivitäten der Unter-nehmen (z.B. Ausbildung in betrieblichen Umweltmaßnahmen) des Gewerbegebietes. Hierdurch würde dem Fachkräftemangel, der auch bei Unterneh-men im Gewerbegebiet Motzener Straße deutlich zu spüren ist, entgegengewirkt. Mit dem Projekt „Welcome Center“ von BIT6 ist ein Akteur für die Ausrichtung und Organisation dieser Angebote bereits vorhanden.

Räumlichkeiten für eine Kinder- und Jugendeinrichtung. Hiermit würde einem Bedarf des Jugendamtes entsprochen. Die angrenzende Marienfelder Feldmark könnte optimal genutzt werden, um Kindern und Jugendlichen zudem einen Bezug zur Natur und Bewegung zu ermöglichen. In Kombination mit der Nähe zu Unternehmen sowie dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien wären zudem Projekte zur Berufsorientierung oder forschungsorientierte, kindgerechte Angebote wie „Haus der kleinen Forscher“ denkbar. Dies würde eine Ergänzung darstellen. Aufgrund der isolierten Lage des Gebäudes könnten in den Abendstunden zudem Proberäume für Nach-wuchsbands o.ä. angeboten werden.

Gastronomie mit Außenbereich: Mittagstisch für die Mitarbeitenden der Unternehmen sowie des Umweltbundesamtes als auch Cafébetrieb für Besucher des Parks, des Showrooms und für Radtouristen, die den Berliner Mauerweg befahren. Da kann man dem Bezirk nur zurufen: Packen Sie es an!

Quellen: UnternehmensNetzwerk Motzener Straße,
Pressestelle Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg,
Berliner Morgenpost

Zusammenstellung und Kommentierung: Ed Koch

  
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