Willkommen bei PaperPress Jugendpolitischer Pressedienst
suchen  
Hauptmenü  

Online  
Es sind 13 Besucher und 0 _MEMBER0 online..

Anmeldung

Sprachen  
Sprache auswählen:


  

That's Entertainment

geschrieben von: Redaktion am 20.04.2021, 16:00 Uhr
paperpress588 
„Politiker sind Schauspieler ohne Drehbuch und ohne einen Regisseur, der alles zusammenhält.“ (Luc Besson, Regisseur, Phoenix plus: Instrumente der Macht – Persönlichkeit.) Politik ist eine Schublade im großen Schrank des Showbusiness. Politik lebt von der Inszenierung. Bekanntere Politiker erfüllen Autogrammwünsche und tragen stets ein paar Fotokarten bei sich. Im guten alten Bonn gab es gegenüber des Bundestagseingangs einen Kiosk mit einem Ständer voller Autogrammkarten mit eingedruckten Unterschriften.

Als Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans per Mitgliedervotum zu Vorsitzenden der SPD gewählt wurden, wusste jeder, dass es zwischen diesen beiden nie zum Streit über die K-Frage kommen würde. Den Kanzlerkandidaten bestimmte der Parteivorstand, zur Erinnerung: Olaf Scholz.

Als Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden gewählt wurde, wusste jeder, dass er und die Partei darin auch ein Votum für die Kanzlerschaft sehen. Das wusste auch Markus Söder, der lange mit seiner Kandidatur kokettierte, ohne sie zu erklären. Und jedem war klar und musste klar gewesen sein, dass die CDU nicht ihren neuen Vorsitzenden ein paar Wochen nach dessen Wahl gleich wieder demontiert.

Angesichts der sich seit Wochen kaum veränderten Umfragen, nach denen Laschet bei der Frage, wem die Leute die Kanzlerschaft zutrauen, immer den letzten Platz belegte, nach Söder, Scholz, Habeck und Baerbock, hätte Laschet Markus Söder die Kanzlerkandidatur anbieten müssen. Söder ist der einzige in allen Umfragen mit mehr Ja- als Nein-Stimmen.

Obwohl Umfragen das eine und Wahlergebnisse das andere sind, kann man die zahlreichen Befragungen der Wähler:innen von verschiedenen Instituten nicht einfach ignorieren. Es ist Markus Söder nicht zu verdenken, wenn er aus diesen Meinungsbildern sein Recht zu kandidieren, ableitete. Da es kein geregeltes Verfahren zwischen CDU und CSU bei der K-Frage gibt, hätte Söder dennoch in dem Augen-blick verzichten müssen, als Laschet auf seiner Kandidatur beharrte. Ja, nur um des lieben Friedens willen, nicht aus Einsicht und erst recht nicht aus gesundem Menschenverstand.

Stattdessen boten beide Kandidaten ein Schauspiel, wie es sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken könnte. Dallas und Denver sind Kindersendungen dagegen. In dieser Inszenierung wurden alle Register gezogen, bis hin zu Reisen nach Berlin im Privat-Jet auf Parteikosten, um dreieinhalb Stunden ergebnislos zu verhandeln.

Laschet hat sich als äußerst zäh erwiesen. Söder ist zwar ein skrupelloser Machtpolitiker, hat allerdings Laschets Machtgen unterschätzt. Auch Helmut Kohl und Angela Merkel waren skrupellos, wenn es um den Erhalt ihrer Macht ging. Die Liste ihrer „Opfer“ ist lang. Wer Macht ausüben will, darf nicht zimperlich sein. „Politik ist nun mal kein Ponyhof“, wusste schon Andrea Nahles. „Und ab morgen kriegen sie in die Fresse.“ So pointiert und mit einem Augen-zwinkern Nahles das meinte, sie hat recht.

Armin Laschet hat sich durchgesetzt, die Frage ist nur, wer am Ende im übertragenen Sinne in die Fresse kriegt. Die Union hat mit seiner Nominierung einen großen Fehler gemacht. Das Land braucht eine starke konservative Partei in der rechten Mitte. Das wäre mit Söder besser umzusetzen gewesen als mit Laschet. Politik ist aber auch immer für Überraschungen gut. Vielleicht steigen die Zustimmungs-werte von Laschet in den nächsten Monaten, auch wenn ich nicht weiß, warum das geschehen sollte.

Wollen wir hoffen, dass das Unions-Drama vorerst vorbei ist. Am 6. Juni wird es eine erste Zwischenbilanz für Laschet geben, wenn in Sachsen-Anhalt gewählt wird.

Spitzenreiter in Sachen Inszenierung sind und bleiben aber die Grünen. Was für ein ritterlicher Auftritt von Robert Habeck, der sinnbildlich Prinzessin Annalena auf den Thron hob. Im Hintergrund fehlte nur noch die passende Musik. Ich hätte „Conquest of Paradise“ von Vangelis ausgewählt. An Annalena Baerbock führte kein Weg vorbei. Die Grünen hätten niemals mit einem Mann als Kanzlerkandidat antreten können. Deshalb weiß ich nicht, warum es auch zwischen Habeck und Baerbock langer Gespräche bedurfte. Habeck hatte nie eine Chance, Kandidat zu werden. Die Frage, ob er der bessere Kandidat gewesen wäre, stellt sich nicht. Dass er eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen muss, steht außer Frage.

Die K-Frage ist nun endlich geklärt. Ja, es geht auch um irgendwelche Inhalte, vornehmlich aber um den Kampf zweier Männer und einer Frau, die die Nach-folge von Angela Merkel antreten wollen. „There's No Business Like Show Business.“ Ab jetzt bei Lanz, Plasberg, Will, Maischberger und Illner sowie jeder-zeit in der Mediathek.

Ed Koch

  
Anmeldung  




 


Registrierung

Impressum  
p a p e r p r e s s
Ed Koch (Herausgeber und verantwortlich für den Inhalt)
Träger: Paper Press Verein für gemeinnützige Pressearbeit in Berlin e.V.
Vorstand: Ed Koch - Mathias Kraft
Postfach 42 40 03
12082 Berlin
Email: paperpress[at]berlin.de
PDF-Newsletter-Archiv:
www.paperpress-newsletter.de

Diese WebSite wurde mit PostNuke CMS erstellt - PostNuke ist als freie Software unter der GNU/GPL Lizenz erh�ltlich.