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Einer von uns

geschrieben von: Redaktion am 17.04.2021, 17:35 Uhr
paperpress588 
Die Beisetzung von Prinz Philip wurde heute durch die BBC weltweit übertragen. In Deutschland sowohl in der ARD als auch im ZDF, bei n tv, Welt tv, RTL, Sat 1 und Phoenix, also quasi überall. Als verkapp-ter Royalist tat man gut daran, sich die Originalübertragung der BBC auf Phoenix anzuschauen. Es blieben einem so die überflüssigen Kommentare erspart und man konnte vor allem die wunderbare Musik hören, ohne dass jemand draufquatschte.


Unser letzter Kaiser führte das Land in den Ersten Weltkrieg, und danach gab es Republikaner, die sich sehr wohl den Kaiser als Staatsoberhaupt noch hätten vorstellen können. Alles Geschichte. Was wir heute von den deutschen Rest-Royalisten hören, ist die reine Gier nach Grundstücken und Kunstwerken, die sie für ihr Eigentum halten. Alles gehörte immer den Kaisern und Königen, nichts dem Volk. Darum geht’s hier aber nicht.

Den Deutschen fehlen der Glanz und Glamour, den die europäischen Königshäuser ausstrahlen. Gegenwärtig kann frau beim Frisör nicht einmal mehr die bunten Blätter mit den Lügengeschichten lesen. Zwar haben die Frisöre geöffnet, aber Zeitschriften dürfen nicht ausliegen. In zahllosen Fernsehsendungen wird regelmäßig über die Royals berichtet. Unser Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert hat uns jahrelang Einblicke in die europäischen Königshäuser gewährt, immer höflich und mit der erforderlichen Distanz.

So bunt und schillernd die Königshäuser in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Norwegen und Schweden sein mögen, die Nummer Eins war, ist und bleibt das Vereinigte Königreich, Great Britain. Um zu verstehen, was ich meine, muss ich eine persönliche Bemerkung einstreuen. Prinz Charles und ich sind gleichaltrig. Ich habe also von Anfang an sein Leben als Altersgenosse mit verfolgt. Alle Höhen und Tiefen blieben mir nicht verborgen. Und meine Mutter war nur ein paar Jahre älter als die Queen. Durch diese Parallelität war mir die Familie Windsor gedanklich immer ziemlich nah.

Der Hauptgrund dieser Nähe ist aber ein ganz anderer. Als West-Berliner hatten wir ein sehr enges und besonderes Verhältnis zu unseren „Schutzmächten“. Vor allem zu den USA und Großbritannien. Die USA waren für mich zwar nie ein Sehnsuchtsort, aber ein Land, auf das ich sehr intensiv schaute und während eines langen Lebens sehr oft die Möglichkeit hatte, es zu besuchen. Alle Präsidenten, bis auf einen, dessen Namen ich vergessen habe, besuchten Berlin. Natürlich war ich immer dabei, an Straßen und auf Plätzen, ohne aber mit Fähnchen zu schwenken. Das war mir dann doch zu blöd.

Aber auch Großbritannien hatte es mir angetan. Natürlich spielte die Musik eine besondere Rolle, Stichwort: Generation Beatles. Nach London fliegt man knapp zwei Stunden, und schon in den 1970er Jahren gab es sehr preiswerte Flüge dorthin. London lohnte sich immer für ein verlängertes Wochenende.

Die Wachablösung vor dem Buckingham-Palast gehörte zum Programm an der Themse wie ein Besuch im Gründungs-Hardrock Café. Und irgendwann gab es immer eine Parade oder Zeremonie, an der die Queen teilnahm und man zuschauen konnte. Nicht erwähnt werden muss, dass ich die Berlin-Besuche der Queen natürlich auch nicht verpasst habe.

Was ist ausdrücken will, ist, dass wir West-Berliner mehr als viele andere, eine besondere Beziehung zu dem hatten, was in den USA und Großbritannien passierte. Prinz Philip war uns durch seine deutsche Mutter natürlich von allen Royals immer am nächsten. Was viele für Fettnäpfen hielten, war vermutlich immer eine gewisse Art von Satire, beispielsweise, wenn er Bundeskanzler Kohl mit „Herr Reichskanzler“ ansprach.

Ich kann mich an einen Schulaufsatz erinnern, in dem es um das Königshaus und die Etikette ging. Während eines Gesprächs die Hände in der Hosentasche zu versenken, ist unhöflich, führte ich aus. Aber, eine Hand beim Small-Talk in die Jackentasche zu stecken, ist möglich. Woher wusste ich das bloß? Mit Prinz Philip hat sich jemand verabschiedet, der Jahrzehnte quasi zur Familie gehörte, eben einer von uns. Übrigens: Die Prinzen William und Harry sprechen wieder miteinander. Philip hätte es gefreut, und für die Queen ein Trost an diesem Tage.

Ed Koch

  
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