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Peter Ustinov zum 100sten

geschrieben von: Redaktion am 16.04.2021, 08:06 Uhr
paperpress588 
Auch für eine kleine unbedeutende Publikation wie paperpress gab es immer wieder Highlights, die von der trostlosen Berichterstattung über politische Themen ablenkten. Alle standen in Zusammenhang mit Begegnungen von bedeutenden und nicht so bedeutenden Zeitgenoss:innen. Das Interview mit Peter Ustinov, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, im Februar 1988, war in der Rückschau die beeindruckendste Begegnung mit einer Persönlichkeit in der inzwischen 45-jährigen Geschichte von paperpress.

Alles begann mit einer wenig schmeichelhaften Theaterkritik unseres Redakteurs Thorsten Laute in paperpress Nr. 251 vom 18. Januar 1988. „Peter Ustinov spielt die Hauptrolle seines Theaterstücks ‚Beethovens Zehnte‘, welches ohne ihn nicht denkbar wäre.“, schrieb Thorsten damals. Seine Kritik endete mit dem Satz: „Wäre da nicht der durch seine behäbigen, schweren Schritte beruhigende Peter Ustinov, der allein mit seinen Pointen zu einer leichten Strapazierung des Zwerchfells beiträgt, ich hätte die Inszenierung von Kurt Hübner glatt verschlafen.“ Kein Hollywood-Star hätte nach so einer Kritik einem Blättchen wie paperpress ein Interview gegeben. Peter Ustinov tat es dennoch.

Er lud uns im Februar 1988 an den Swimming-Pool seines Hotels an der Heerstraße zum Interview ein. Es begann mit einer kleinen Maßregelung. Er habe den Bericht in paperpress gelesen, sagte er mit strenger Miene. Die Hauptrolle habe in Paris ein anderer gespielt, es ginge also auch ohne ihn. Über die Schlafprobleme unseres Redakteurs ging er hinweg.

Das Gespräch dauerte fast eine Stunde und war informativ und höchst unterhaltsam. Unsere Foto-grafen Mathias Nitschke und Dieter Kroll hatten nach dem Interview noch Gelegenheit, eine Reihe von Fotos mit Ustinov zu machen. Geduldig ließ er sich darauf ein. Daraus ergab sich ein weiteres Treffen mit ihm in seinem Hotel zur Übergabe der Fotos.

Wir trafen ihn am Frühstückstisch. Er war gerade dabei, sein Frühstücksei zu verzehren. Er würzte die Eier mit Pfeffer. Beim Versuch, etwas Pfeffer auf das Ei zu streuen, löste sich der Deckel und der gesamte Inhalt schüttete sich über das Ei. Es war sozusagen unter einem Pfefferberg begraben. Sein Gesichtsausdruck war umwerfend. Sofort kam der Kellner, räume das kleine Missgeschick ab und stellte ein neues Ei auf den Tisch. Meinen Verdacht, dass er diese Nummer nur für uns gemacht habe, bestätigte er nicht.

Manfred Rexin führte damals für den RIAS Schulklassengespräche durch und war dabei sehr häufig Gast in der Gustav-Heinemann-Schule. Und so fragte ich Peter Ustinov, ob er denn nicht Lust hätte, an so einem Gespräch teilzunehmen. Er war dazu bereit und wir kümmerten uns darum. Im April 1988 war es dann so weit. Die Heinemann-Schule wurde damals saniert, es stand also kein Raum für das Gespräch zur Verfügung. Und so wichen wir auf das Jugendfreizeitheim Mariendorf aus, in dem der Paper Press e.V. seinen Sitz hatte. Wir hatten Peter Ustinov zugesagt, ihn vom Hotel abzuholen und wieder zurückzubringen. Und so fuhren wir zur Heerstraße. Am Steuer saß Michael Müller, ein aufstrebender SPD-Politiker aus Tempelhof, der zum Freundeskreis der Jugendfreizeiteinrichtung gehörte.

Ustinov erwartete uns schon, er stieg zu und während der gesamten Fahrt nach Mariendorf erzählte er uns viele Anekdoten aus seinem bewegten Leben. So zum Beispiel, dass er an einer Veranstaltung teilnahm, auf der der damalige spanische Ministerpräsident Felipe González eine sehr lange Rede hielt. Neben Ustinov saß ganz entspannt Heinz Rühmann, der kein Wort von dem verstand, was González sagte. Ustinov hingegen verstand jedes Wort und litt.

Das Schulklassengespräch ließ Ustinov in großer Ruhe über sich ergehen, obwohl die Fragen der Schüler:innen nicht immer die klügsten waren. Ob er Probleme mit Frauen hätte, weil er so oft verheiratet war, wollte eine Schülerin wissen. Naja. Zumindest wurde paperpress im Vorspann der Sendung erwähnt, das war schon mal die Mühe wert.

Über das Gespräch mit den Schüler:innen berichteten fast alle Zeitungen Berlins. Es war also wirklich ein richtig großes Ereignis in der Geschichte unserer Publikation.

Als wir ihn vor seinem Hotel an der Heerstraße ab-setzten, frage er uns noch nach unseren Namen: Müller und Koch. Das sind ja typisch deutsche Namen, kommentiert er. Die Visitenkarte, die er uns überreichte, ist im Laufe der Jahre leider verloren-gegangen. Sie zeigte seine besondere Art des Hu-mors. Auf der einen Seite stand Hélène und Peter Ustinov mit der Adresse in Paris, und auf der anderen Seite Peter und Hélène Ustinov mit der Adresse in der Schweiz.

Nicht nur heute an seinem 100sten Geburtstag denken wir gern zurück an die Begegnungen mit Peter Ustinov 1988. Immer wieder kommen die Erinnerungen, wenn einer seiner Filme im Fernsehen wiederholt wird.

Am 28. März 2004 ist Peter Ustinov in der Schweiz gestorben. Menschen wie er sterben aber nie wirklich. Sie sind und bleiben uns erhalten.

Ed Koch



  
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